Etwa 110 Asylwerber/innen wohnen im Haus Courage der Caritas in Wels. 17 verschiedene Nationalitäten, 110 Menschen mit Hoffnungen und Ängsten, 110 „Fälle“ für das Asylverfahren.
Der stellvertretende Leiter des Hauses Courage Stefan Karsai, blättert in der Bewohnerliste. Zu den Namen steht am Rand immer, seit wann jemand im Haus Courage ist. Bei einigen steht 2002. – Sieben Jahre warten auf den Bescheid! So lange ist keine/r der Caritas-Mitarbeiter/innen im Haus. Seit einem halben Jahr wurde gar kein Bescheid mehr zugestellt ...
Begleiten zur Selbstständigkeit. „Hier habe ich Zuflucht gefunden und ein sicheres Dach für mich und meine Familie über dem Kopf“, sagt Frau S. Ähnlich Herr L., der seit einem Jahr im Haus Courage lebt: „Ich habe freundliche Menschen gefunden, die mich von Anfang an unterstützen und begleiten.“ Begleiten ist das Hauptwort der Caritas-Arbeit in dieser besonderen Lebenssituation. Stefan Karsai und alle Caritas-Mitarbeiter/innen bemühen sich, dass die Menschen ein selbstständiges Leben in Österreich führen lernen. Die ersten Male ist „begleiten“ noch wörtlich zu verstehen: Begleiten zum Arzt, zu den Behörden, beim Einkauf. Aber die Menschen, die aus ganz anderen Kulturen kommen, sollen möglichst hineinwachsen in den Lebensstil in Österreich. Sie sollen sich hier im Alltag zurechtfinden. Die angebotenen Deutschkurse sind ein wichtiger Baustein.
Beispiel Busfahren. Karsai erzählt von Bewohner/innen, die zu einer Behörde nach Linz müssen, dann dort in der Straßenbahn oder im Bus bei einer Fahrscheinkontrolle nur eine Mini- statt der erforderlichen Midi-Karte vorweisen können. Sie müssen deswegen erhöhtes Fahrgeld – 50 Euro – zahlen. „Können Sie sich vorstellen, was 50 Euro für jemanden bedeuten, der mit 150 Euro im Monat auskommen muss?“ Da hilft nichts, wenn Karsai den Linz Linien erklärt, dass es nicht in der Absicht geschehen konnte, sich zu bereichern, denn die Fahrtkosten werden nach Vorlage des Tickets erstattet. Die Menschen können die Anleitungen auf den Fahrschein-Automaten nicht deuten. „Es ist, wie wenn unsereins Chinesisch lesen müsste.“
Unbegleitet minderjährig. Im Haus Courage sind die Asylwerber untergebracht, bis sie entweder einen abschlägigen oder einen positiven Bescheid bekommen. Die neun jugendlichen unbegleiteten Asylwerber zwischen 17 und 18 Jahren kommen mit Vollendung des 18. Lebensjahres automatisch in eine andere Einrichtung. Denn der Bedarf an Betreuungseinrichtungen für unbegleitete Minderjährige ist enorm groß.
Das Haus Courage
Im Oktober 2009 feierte das Haus Courage der Caritas in Wels zehnjähriges Bestandsjubiläum. Es hat 15 Wohnungen. 110 Menschen, insgesamt 17 Nationen wohnen hier! Stefan Karsai, stellvertretender Leiter der Einrichtung und alle anderen Mitarbeiter/innen brauchen daher – etwa bei der Wohnungsbelegung – Feingefühl.
Warten auf Bescheid
Wenn ein Asylwerber über ein sicheres Land, z.B. Ungarn, nach Österreich gekommen ist, muss er in dieses zurück, wenn seit der Einreise nicht zu viel Zeit verstrichen ist. Manche Bewohner/innen sind schon sieben Jahre im Haus Courage. Andere dagegen müssen nur drei, vier Monate auf einen Asyl-Bescheid warten. Wer einen positiven Bescheid erhält, kann als anerkannter Flüchtling bleiben. Fällt der Bescheid negativ aus, muss man wieder ins Herkunftsland zurück. Manche können aber nicht zurückgeschoben werden, weil das betreffende Land die Rückreise verweigert.
Kinder
Im Haus Courage wohnen etwa 35 Kinder. Freizeitanlagen für sie sind dringend notwendig. Für einen Kinderspielplatz hat die Stadt Wels Geräte gespendet. Eine 1.000-Euro-Spende hat auch das Netzwerk gegen Rassismus Wels übergeben.