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Arbeitslose sind kränker

Diplomarbeit und Gebietskrankenkasse bestätigen gesundheitliches Risiko bei Arbeitslosigkeit
Ausgabe: 2010/02, Arbeitslose, krank, Diplomarbeit, Gebietskrankenkasse, Arbeit, Gesundheitsfördung
13.01.2010
- Ernst Gansinger
Bestrahlung eines Turmorpatienten, Strahlentherapie - radiotherapy
Bestrahlung eines Turmorpatienten, Strahlentherapie - radiotherapy
© M?hlanger, Foto Begsteiger KEG
Arbeitslosigkeit und gesundheitliche Probleme haben einen Zusammenhang. Eine Diplomarbeit am Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik der Universität Linz hat sich mit dem Gesundheitszustand arbeitsloser Menschen befasst.

Erwerbsarbeitslose Menschen sind weitaus häufiger von Krankheit betroffen als Erwerbstätige. Das hat zwei Ursachen: Gesundheitlich Beeinträchtigte verlieren eher ihre Arbeit und finden dann schwerer wieder eine andere Arbeit. Aber es ist auch die Arbeitslosigkeit selbst eine Ursache für Krankheiten.

Zu krank, zu gesund. Die Oö. Gebietskrankenkasse stellte eine Diplomarbeit, die diesen Zusammenhängen nachgeht, vor. Und wies auch auf institutionelle Schwierigkeiten hin, etwa auf das Hin- und Hergeschickt-Werden zwischen den verschiedenen zuständigen Institutionen (Pensionsversicherungsanstalt PVA, Arbeitsmarktservice). „Zu krank für die Arbeit, zu gesund für die Pension“, beschreibt Diplomand Michael Penner Erfahrungen von Menschen, die krankheitsbedingt die Arbeit verlieren, dann nicht die Pension zuerkannt bekommen, aber auch keinen Arbeitsplatz finden. Die PVA misst ihnen noch genügend gesundheitliches Potenzial zu, um gewisse Berufe ausüben zu können. Sie seien noch in ähnliche Berufe verweisbar. Ein Tischler könnte zum Beispiel Einrichtungsberater werden. „Besonders prekär ist die Situation für ungelernte Arbeitskräfte: Sie können bis zu ihrem 57. Lebensjahr praktisch in jede Berufsgruppe verwiesen werden.“

Auf Arbeitslosen lastet großer Druck. Penner befragte Betroffene. Als allergrößte Probleme nannten etliche Arbeitslose mannigfaltigen Druck, dem sie sich ausgesetzt fühlen: dem Druck aus der Familie, von Bekannten, Behörden, Ämtern. Christian Winkler von der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung, den Penner als einen der Experten zu Wort kommen lässt, schlägt einen Drei-Punkte-Plan vor: Grundsicherung, die einen würdevollen Umgang mit arbeitslosen Menschen sichern würde. Zweitens das Eingeständnis der Politik, dass es zu wenige Arbeitsplätze für alle gibt, und darauf aufbauend drittens intensive Anstrengungen, mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Gesundheitsförderung. Arbeitslose sind gesundheitlich benachteiligt. Es braucht daher gesundheitsfördernde Angebote für arbeitslose Menschen. Etwa das Projekt „Aktiv in die Zukunft“ vom Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit, finanziert vom AMS und dem Fonds Gesundes Österreich, am AMS Traun. Dabei wird alle drei Wochen ein Modul in der Dauer von einer Woche (20 Stunden) angeboten. Das Projekt zielt auf Ernährung, Bewegung und psychosoziale Gesundheit. Auffallend ist, dass dieses Angebot viel eher von Frauen als von Männern wahrgenommen wird.

Keine Ausnützer. Die Diplomarbeit greift auch den Vorwurf auf, arbeitslose Menschen würden das österreichische Sozialsystem ausnützen und durch Krankenstände eine längere Arbeitslosenunterstützung erwirken. Dass das so sei, mag in einzelnen Fällen zutreffen, sei aber ein vernachlässigbares Phänomen. Aussagen in diese Richtung durch politische Verantwortungsträger seien unverantwortlich.
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