„Ich gehe hier meinem Hobby nach und halte mich fit“, gesteht der freundliche Mann im blauen Arbeitsanzug 3sat-Redakteur Markus Böhnisch und schnippelt eine Blumenranke ab. Er ist 75, seit zehn Jahren in Pension, seit acht Jahren als Gärtner umtriebig. Menschen wie ihn, die ihren Ruhestand lieber aktiv gestalten, gibt es viele, nicht nur in Japan, wo Kenji Yamakoshi zuhause ist und wohin 3sat ab 18. Jänner mit seiner Themenwoche führt. Das Leben der „neuen Alten“, freundlicher auch als „Silbergeneration“ umschrieben, hat sich gegenüber früheren Generationen grundlegend gewandelt. Die über 60-Jährigen sind aktiv, leistungsstark, selbstbewusst, genießen ihr Leben, sind als Konsumenten ein nicht zu unterschätzender Motor der Wirtschaft und oft bereit, weiterzumachen, ihre Erfahrungen jüngeren Berufskollegen weiterzugeben. In Japan freilich, dem Land mit der weltweit höchsten Lebenserwartung, soll ein derartiges Angebot aber auch die Pensionskassen entlasten und gleichzeitig den fehlenden Nachwuchs ersetzen, denn die Geburtenrate sinkt stetig.
„Japan – Das Wirtschaftswunderland ergraut“ (Montag, 21 Uhr, 3sat) zeigt, wie sehr sich die einstigen Eroberer der Weltmärkte um ihre eigene Zukunft sorgen, und gibt Einblicke in den Alltag junger und alter Japaner. Es ist der zweite Beitrag, der neben einer ganzen Reihe von Reportagen, Gesprächen und Dokumentationen bis 24. Jänner auch zwei wunderbare Spielfilmebereit hält: „Der Wald der Trauer“ (Dienstag, 22.45 Uhr, 3sat), ein meditativ-kunstsinniger Film, der das Seeleninnere seiner beiden Hauptpersonen mit betörend schönen Landschaftsbildern behutsam und symbolträchtig nach außen kehrt und „Das verborgene Schwert“ (Donnerstag, 22.25 Uhr, 3sat), die in epischer Breite und mit prachtvollen Bildern erzählte Geschichte eines Samurais, der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Konflikt zwischen Pflicht und persönlichen Ehrenkodex gerät.