Sie hält den kleinen Menschen, sein Köpflein liegt in ihren Händen. Ihre Arme sind wie ein Bettchen, auf dem er gut liegen kann. Der Säugling blickt die Frau an. Sie ist über ihn gebeugt. Er streckt ihr die Ärmchen, die Hände entgegen. Nichts kann die beiden stören. Sein Blick und ihr Blick verschmelzen. Sie sind verbunden. Halten und Tragen. Sich tragen und halten lassen. – Im Hintergrund sind zwei Figuren zu sehen, die diese Szene beobachten. Ihre Haltung wirkt andächtig, vorsichtig. Sie nehmen Anteil, ohne sich einzumischen. Weinachten/Geburt Jesu heißt dieses Glasfenster aus der Werkstatt von Raukamp und Schwarz, geschaffen um 1900. Das hier gezeigte Detail stellt Maria und das Jesuskind ins Zentrum: Auch der göttliche Knabe braucht die Nähe seiner Mutter. Wie jeder Mensch.
Zum Bild Das hier gezeigte Bild ist aus der Werkstatt Schwarz und Raukamp und um 1900 enstanden. Die Arbeit ist aus Echtantikglas, bleigefasst und mit den Maßen 101 x 41 cm relativ klein. Es handelt sich hier um ein „Vorzeigeobjekt“ und kein Kirchenfenster. 1954 verkaufte Josef Raukamp seine Werkstätte an das Stift Schlierbach, wo sein Bruder Wilhelm bereits seit 1923 als P. Petrus lebte. Das Glasfenster ist nun Teil der Sammlung der Glasmalerei des Stifts Schlierbach. – Josef Raukamp lernte in seiner Heimatstadt Linnich das Handwerk der Glasmalerei, ehe er 1900 nach Linz kam. Dort fand er bei der „OÖ Glasmalerei Penner & Schürer“ eine Anstellung und übernahm bald die künstlerische Leitung der Werkstätte, 1915 kaufte er diese. Raukamp gilt mit seinem Bruder Wilhelm als Pionier im neuen Einsatz von Glas. Sie setzten ihre Motive mosaikartig aus färbigen Gläsern zusammen. Werke der beiden finden sich in Wien-Dornach und in ganz Oberösterreich: Auch die Fenster der Turmkapellen im Linzer Mariendom sind aus Raukamps Werkstatt.