Die kirchlichen Buben-Internate stehen im Mittelpunkt der aktuellen Missbrauchsvorwürfe. Oberösterreich hatte eine lebendige Internatslandschaft, von der nur mehr drei Anstalten übrig sind.
Von Freistadt bis Bad Goisern, von Ried im Innkreis bis Steyr gab es in Oberösterreich an die zwanzig Internate für Burschen. Exakt kann man die Zahl deswegen nicht angeben, weil die allermeisten Institute Ordensgemeinschaften gehörten, die unabhängig agierten und daher keine landesweite Statistik existiert. Schätzungen zufolge waren Anfang der 1970iger Jahre jährlich 2500 Burschen in kirchlichen Internaten und konnten so – zumeist – ein Gymnasium besuchen. In Zeiten, in denen es noch kein ausgebautes Netz an Höheren Schulen und kein kostenlosen Schulbussystem gab, bedeutete das für unzählige Kinder aus einfachen Verhältnissen die Bildungschance ihres Lebens. Das war nur möglich, weil die Diözese und besonders Ordensgemeinschaften in der Ausbildung der Jugend ihren Auftrag sahen, für den sie Personal angestellt und finanziell oftmals ganz kräftig aus der eigenen Tasche für ihre Anstalten beigetragen haben. Dieser Aspekt soll in der aktuellen Debatte zumindest Erwähnung finden. Natürlich haben die Orden die Internate als Pool für den eigenen Nachwuchs gesehen, aber der Einsatz, den die Orden für die Jugend leisteten, stand in aller Regel in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Eintritten. Drei männliche Orden führen heute noch Internate. Kremsmünster mit 16 Zöglingen, Dachsberg mit neun Schülern, wobei mit Ende des Jahres das Internat geschlossen wird. Die Schulbrüder im Stephaneum (Bad Goisern) betreuen an die achtzig Burschen und Mädchen. Die Kinder besuchen die Sport-Hauptschule, die sich ebenfalls in der Trägerschaft des Ordens befindet. Für Mädchen gab es in etwa ebensoviele kirchliche Internate wie für Burschen. Interssant ist, dass bislang bei der diözesanen Ombudsstelle noch keine Meldungen über Missbrauch in kirchlichen Mädcheninternaten eingegangen sind.