Laieninitiative: Auftreten in der Kirche statt austreten
Ausgabe: 2010/13, Zeit, eigenständiges Handeln, Laieninitiative, Kirche, Austritt, Herbert Kohlmaier, Obmann der Laieninitiative, Kardinal Schönborn, verheiratete Priester, Aufhebung des Pflichtzölibates, Diakonissen, Notmaßnahmen, loyaler Widerstand, Reformvorsch
31.03.2010
Die vor einem Jahr gegründete „Laieninitiative“ ruft zum „loyalen Widerstand“ auf. Das sei eine legitime Notmaßnahme, da „die Kirchenleitung den Dialog über unsere Reformvorschläge verweigert“, sagt H. Kohlmaier.
Vor einem Jahr ist die Laieninitiative gegründet worden, um Alternativen zum „wachsenden Seelsorgenotstand in der römisch-katholischen Kirche aufzuzeigen“. Seither haben sich ihren Forderungen (Aufhebung des Pflichtzölibats, Weihe von „bewährten Männern“ zu Priestern und von „bewährten Frauen“ zu Diakonissen, „Demokratisierung“ der Kirche u. a.) 12.121 Katholik/innen angeschlossen. Kardinal Schönborn hat im Juni 2009 die Forderungen der Laieninitiative gemeinsam mit einem Konvolut von Erfahrungsberichten entgegengenommen und der Kleruskongregation übergeben. Seither aber stoße die Laieninitiative auf eine „permanente Gesprächsverweigerung der Bischöfe“, stellte deren Obmann Herbert Kohlmaier fest.
Zeit zum Handeln. Die notwendigen Maßnahmen gegen Gewalt und Missbrauch in der Kirche dürften nicht davon ablenken, dass in der Kirche weiterhin ein enormer Reformstau da sei, betonte Kohlmaier. Da aber die gegenwärtige autoritäre Kirchenstruktur und ihre Spitzenvertreter die absolut notwendigen Korrektur- und Reinigungsprozesse nicht zuließen, sei für die Laien „die Zeit für ein energisches, selbstbewusstes Handeln“ gekommen. „Wir wollen nicht austreten, sondern in und für diese Kirche arbeiten und wir halten auch nichts von einer Kirchenbeitragsverweigerung, weil diese die Falschen trifft“, sagt Kohlmaier. Gleichzeitig aber ruft er dazu auf, durch „loyalen Widerstand“ eine Situation herzustellen, wo sich die Bischöfe entscheiden müssen zwischen „lähmendem Gehorsam“ gegenüber Rom oder einem Wirken für die Menschen. Als mögliche Maßnahmen werden u. a. genannt: bewusst gelebte Solidarität mit wiederverheirateten Geschiedenen in den Gemeinden (einschließlich Kommunion und Patenamt); Heranziehen verheirateter Priester für Pastoral und Eucharistie, Übernahme von Aufgaben und Diensten durch Laien (besonders Frauen), soweit es das Kirchenrecht nur zulässt, oder die „Evaluierung“ von Bischöfen. Alle, die zum Widerstand bereit sind, sollen bei kirchlichen Anlässen den weißen Anstecker der Laieninitiative tragen.