Ausgabe: 2010/14, Kopf der Woche, Schwester Hatune Dogan, Kraft, Gott, Leid, Naher Osten, Zaz, Indien, Hatune Dogan, Kloster St. Jakob, syrisch-orthodoxes Kloster, Ordensfrau
07.04.2010
- Susanne Huber
Vor dem Leid, das tagtäglich in Indien oder im Nahen Osten passiert, kann sie ihre Augen nicht verschließen. Deshalb kämpft Sr. Hatune Dogan aktiv dagegen an. Derzeit ist sie auf Heimaturlaub in Deutschland und bereitet ihre nächste Reise in den Irak vor.
Jedes Jahr ist Schwester Hatune Dogan ein paar Monate in Indien und ein paar Monate in den Ländern des Nahen Ostens unterwegs, um sich für jene stark zu machen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Dazwischen tankt sie – das ist momentan wieder der Fall – im syrisch-orthodoxen Kloster St. Jakob im deutschen Warburg neue Energie für ihren Einsatz für Bedürftige und Verfolgte. Die Kraft für ihr Engagement komme von Gott, sagt sie.
Flucht. Aufgewachsen ist Dogan mit ihren neun Geschwistern in Zaz, einem Dorf des Tur-Abdin-Gebirges im Südosten der Türkei. Dort lebten damals viele Christen. Ihre Muttersprache Aramäisch war in der Schule verboten, es musste türkisch gesprochen werden. Hatune Dogans Vater, ein Bauer, wurde zunehmend von radikalen Muslimen bedroht. So ist die Familie nach Deutschland geflüchtet. Mit 17 trat Dogan ins syrisch-orthodoxe Kloster ein. Erst viele Jahre nach ihrer Flucht ist die Ordensfrau wieder in ihr Heimatdorf gekommen. „Je näher ich mit meiner Schwester nach Zaz kam, desto weniger konnten wir atmen, weil wir so geheult haben. Einerseits aus Freude, andererseits, weil es weh tat. Das Haus, das unser Vater aufgebaut hatte, war bombardiert worden. Wir haben die Steine angefasst und geküsst.“ Seither mache sie immer wieder einen Abstecher in ihr Dorf, wo heute keine Christen mehr leben. Vor ihrer nächsten Reise in den Irak wurde noch gefeiert – am 5. April vollendete Hatune Dogan ihren 40 Geburtstag. (Siehe Themenseite Irak)
Hatune Dogan: „Jenen, die am Boden sind, den Unterdrückten, den Armen, möchte ich helfen, egal welcher Religion sie angehören. Im Matthäus-Evangelium steht: ,Was ihr getan habt einem von diesem meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan‘ – das ist mein Lebensziel.“