Aufruf der Katholischen Aktion: Engagieren statt resignieren
Ausgabe: 2010/14, Aufruf, Katholische Aktion, Opfer, Gott, Kardinal Schönborn, Klagegottesdienst, Bußgottesdienst, Karwoche, Predigt Schönborn, kollektive Schuld, Veronika Prüller-Jagenteufel, Kardinal Schönborn, Wiener Stephansdom, KA
07.04.2010
„Wenn jetzt die Opfer sprechen, dann spricht Gott zu uns, zu seiner Kirche“, sagte Kardinal Schönborn bei einem Klage- und Bußgottesdienst am Mittwoch in der Karwoche.
Missbrauch und Gewalt in der Kirche verstellen den Blick auf den „rettenden und befreienden Gott“. Dadurch komme es neben dem menschlichen Leid der Betroffenen auch zu einer „Gottesvergiftung“. Die Kirche müsse vom hohen Ross herabsteigen und genau hinschauen und hinhören, denn durch die Opfer spreche jetzt Gott „zu seiner Kirche, um sie aufzurütteln und zu reinigen“, sagte Kardinal Christoph Schönborn bei einem „Klage- und Bußgottesdienst“ im Wiener Stephansdom. 3000 Menschen nahmen an dieser eindringlichen Feier, in der auch Erfahrungen der Opfer zur Sprache kamen, teil. Eingeladen dazu hatten die Dompfarre, der Kardinal und die Plattform „Wir sind Kirche“. Im einem gemeinsam von der Theologin Veronika Prüller-Jagenteufel und Kardinal Schönborn vorgetragenen Schuldbekenntnis kam sowohl die Schuld Einzelner als auch die durch überkommene Strukturen, Verhaltens- und Denkmuster entstandene „kollektive“ Schuld zur Sprache.
Trotzdem – mit der Kirche. Mehrere Bischöfe und Diözesen in Österreich und Deutschland haben dazu aufgerufen, der Opfer von Missbrauch und Gewalt in der Karwochenliturgie zu gedenken. Die Katholische Aktion hat am Mittwoch der Karwoche aus Anlass der Missbrauchsdebatte eine eigene Homepage unter dem Motto „engagieren statt resignieren“ ins Netz gestellt. Sie ruft darin – bei aller verständlichen Entrüstung, Verletzung und Enttäuschung – dazu auf, „kritische Loyalität zur Kirche zu zeigen“ und sich von der Mitarbeit in der Kirche und für die Kirche nicht zurückzuziehen. Die Homepage bietet – auch Prominenten – die Möglichkeit, zu sagen, warum jemand Glaube und Kirche für wichtig hält. Die KA erinnert daran, dass trotz der gegenwärtigen Krise nach einer aktuellen Umfrage viele der Meinung sind, dass die Gesellschaft ohne Glaube und Kirche ärmer wäre. Die Homepage enthält auch einen Forderungskatalog zum Umgang mit Missbrauch und die Möglichkeit über etliche Forderungen abzustimmen.