Im April sammeln Tausende in ganz Oberösterreich für die Caritas und für Menschen in Not. Eine der Ehrenamtlichen ist die 83-jährige Stefanie Kogseder aus Hartkirchen. Bereits zum 62. Mal ist sie unterwegs. Eine Geschichte von der Dankbarkeit, der großen Armut der Nachkriegsjahre und dem Lohn der Hartnäckigkeit.
Auf dem Küchentisch von Stefanie Kogseder liegt er schon bereit, der Zettel für die heurige Haussammlung. Ihre Enkelin wird in den nächsten Tagen in schöner Blockschrift die Liste der Hausbesitzer aufschreiben, damit die Oma bald für notleidende Menschen Geld zusammentragen kann. Bereits zum 62. Mal bricht die 83-Jährige zu diesem Dienst auf. Kein einziges Jahr hat sie ausgelassen. Damit ist sie wohl eine der längstdienenden Haussammlerinnen im gesamten Bundesland. Als sie Ende der Vierzigerjahre zu sammeln begann, war Österreich besetzt, die Bevölkerung taumelte durch die Nachkriegswirren und es fehlte an allen Ecken und Enden. „Zu dieser Zeit haben sich die Leute schon über ein Stück Brot gefreut“, erinnert sich Stefanie Kogseder. So groß war die Not, dass damals neben der bis heute bestehenden Frühjahrssammlung zusätzlich im Herbst um Naturalien gebeten wurde, sagt sie. „Vor allem Brot, Eier und Speck haben wir gesammelt. Das haben die Bedürftigen in der Pfarre bekommen.“ Es half in den Nachkriegsjahren, das Überleben der Bevölkerung zu sichern.
Dank für Ehrenamt. Die Zeit der großen Not ist lange vorbei, was sich aber nicht geändert hat: Es sind vor allem Frauen, die für die Caritas von Haus zu Haus ziehen. „Ich glaub, Frauen engagieren sich eher, weil sich mit ihnen mehr machen lässt, die geben mehr nach als die Männer“, meint die 83-Jährige. Ehrenamtliches Engagement war früher in der Pfarre selbstverständlich, sodass ein Dankeschön nur äußerst selten ausgesprochen wurde, weiß Stefanie Kogseder: „Da hat es geheißen: ,Mach das!‘ Und das hat man dann einfach befolgt.“ Mittlerweile hat hier jedoch längst ein Umdenken stattgefunden. Das zeigt sich vor allem daran, dass es nunmehr seit über zehn Jahren eine Dankesjause für sämtliche der rund 20 Hartkirchner Haussammler/innen gibt.
Sammelrunde durch die Nachbarschaft. Seit 60 Jahren ist die Sammelrunde von Stefanie Kogseder die gleiche: durch die ganze Nachbarschaft in Koppl, einer Ortschaft der Gemeinde Hartkirchen. Der steile Weg bergauf zu den Häusern am Hang ist ihr mittlerweile jedoch zu anstrengend. So fährt sie ihre Tochter Anna Pusch mit dem Auto den Berg hoch. „Hinunter geh ich dann selber“, sagt die rüstige Seniorin. Zwei bis drei Wochen lang wird sie heuer mit der Sammlung beschäftigt sein. Sie teilt sich ihre Tour auf mehrere Tage auf. „Damit für jedes Haus genug Zeit zum Tratschen bleibt.“ „Uns freut’s, dass Sie noch gehen“, bekommt sie in den Gesprächen mit den Nachbarn oft zu hören. Selbst bei den Bewohnern, die nur am Wochenende in ihrem Zweitwohnsitz anzutreffen sind, ist Frau Kogseder bestens bekannt. Für die Wochenendbewohner von Hartkirchen ist Stefanie Kogseder oft die einzige persönliche Verbindung zu den Alteingessenen. „Zu diesen Leuten gehe ich extra am Samstag hin, damit auch sie was hergeben können“, sagt die 83-Jährige und lächelt verschmitzt. „So hartnäckig wie meine Mutter ist nicht so schnell wer“, erzählt ihre Tochter Anna Pusch. Worauf Stefanie Kogseder nur meint: „Sonst kommt man ja zu nichts, wenn man sich nicht überall fragen traut.“ Nachsatz: „Ich bin aber nie lästig.“ Der Lohn für den großen Einsatz: Es gibt kaum jemanden, der bei ihr nicht ein paar Euro spendet. Zudem weiß eine erfahrene Sammlerin wie Frau Kogseder, wie sie ihre Spender ein wenig anspornen kann. „Ich besuch zuerst die Häuser, wo immer viel gegeben wird.“
Gehen für Menschen in Not
Die Caritas-Haussammlung wird in Oberösterreich im April gestartet. Es ist ein Anlass, daran zu erinnern, dass es Not auch bei vielen Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung gibt. Bei den Caritas-Beratungsstellen zeigt sich immer wieder, wie schnell Familien und Einzelpersonen in Schwierigkeiten geraten können. Die Caritas kann dank der Spenden aus der Haussammlung aus der akuten Notlage helfen. Unter dem Motto „Wir gehen für Menschen in Not“ sind allein in Oberösterreich rund 7000 Haussammler/innen tätig. Das Geld kommt ausschließlich der Hilfe für Menschen in Oberösterreich zugute – es ermöglicht die Unterstützung von Menschen in Not durch die Caritas-Beratungsstellen und sichert die Existenz von Caritas-Einrichtungen. Die Spendenabsetzbarkeit betrifft übrigens auch die Haussammlung. Bei Bareinzahlung von Spenden (z.B. Haussammlung) bekommt man von der Caritas eine Spendenbestätigung.