Sie waren in den letzten beiden Jahren überlaufen: die „Spiri-Nights“ für die Firmlinge in oberösterreichischen Stiften. Diesen Samstag werden die heurigen Firmlinge eine „Geist-Nacht“ im Linzer Dom erleben.Ein großes, gemeinsames Erlebnis. Darum geht es bei der „Spiri-Night“. Ergänzend zur Vorbereitung auf die Firmung in den Pfarren sollen die jungen Menschen hier einmal Kirche in großem Rahmen erleben können, um dann mit Bischof Ludwig Schwarz den Abschluss-Gottesdienst zu feiern. Jugendliche sollen auch nach der Firmung Platz in der Kirche finden. Eine große Herausforderung bedeutet das für die Pfarren. Es gibt durchaus erfreuliche Entwicklungen: „Die Zahl der Jugendtreffs und der Jugendchöre ist in den letzten Jahren gleich geblieben, die Zahl der Gruppen ist sogar ein bisschen gestiegen“, erzählt der diözesane Jugendstellen-Leiter Christoph Burgstaller.
Zwischen Web und Kirche
Exakt 2095, vor allem junge Leute engagieren sich für die Katholische Jugend Oberösterreich, etwa als Leiter/in in einer von 330 Jugendgruppen. Doch Pfarren sorgen sich um ihren Kontakt mit Jugendlichen. Ein Interview mit Jugendstellenleiter Christoph Burgstaller.
In den Pfarren läuft die Firmvorbereitung. Ist zu fürchten, dass das der letzte Kontakt mit den Jugendlichen ist? Zu Recht? Christoph Burgstaller: Die Befürchtung ist in vielen Pfarren da, wobei ich sehr stark das Bemühen erlebe, dass es nicht dazu kommt. Sie wollen Jugendlichen ein attraktives Angebot bieten, wie sie auch nach der Firmung aktiv Teil der Kirche sein können – mit Andockmöglichkeiten, die für sie interessant sind.
Wenn Leute klagen, sie sehen die Jugend in den Kirchen nicht, was antworten Sie? Ursachenforschung betreiben. Was ist der Grund, warum sich Jugendliche bei uns nicht beheimatet fühlen? Nachdenken darüber, wie unser Angebot aussieht, vor allem darüber: Wollen wir Jugendliche bei uns haben? Welchen Platz räumen wir ihnen ein? Welche Art der Beteiligung bieten wir ihnen an?
Und was macht Kirche für Jugendliche interessant? Das Wichtigste ist, dass dort Gemeinschaft gelebt wird, wo sie sein können, wie sie sind, und attraktive Angebote vorfinden. In nicht wenigen Pfarren erlebe ich das, auch bei österreichweiten Aktionen, an denen sich viele Pfarren beteiligen und wo es zum Beispiel zu sozialem Engagement kommt.
Wo steht die Katholische Jugend heute im Spannungsbogen von spirituellen Angeboten und sozialem Engagement? Wenn ich vom Evangelium ausgehe, ist beides eng verbunden. Bei Veranstaltungen auf der Burg Altpernstein und in den Regionen geht es um gesellschaftspolitische Themen genauso wie spirituelle. Das Pfingsttreffen zum Beispiel verknüpft eine starke soziale und eine spirituell bewegende Botschaft.
Ereignisse wie Pfingsttreffen oder Spiri- Night sind toll besucht. Das Gruppenleben in Pfarren ist schwieriger geworden, oder? Es ist anders geworden. Es verändert sich mit gesellschaftlichen Gegebenheiten. Auch die Kommunikationsformen ändern sich. Das Web 2.0 zum Beispiel. Es steht uns gut an, wenn wir diese Formen entdecken, nutzen und dort auch attraktive Angebote setzen. Ich kenne einige Pfarren, die über Facebook Jungschar und Jugend vernetzen. Zu „72 Stunden ohne Kompromiss“ und zu vielen anderen Themen gibt es eigene Fan-Seiten. Das ist eine große Chance.
Tritt die direkte Begegnung da nicht zurück? Solche Kommunikationsformen können ein Türöffner sein. Sie bieten die Möglichkeit, in Kontakt zu treten und zu bleiben. Jugendliche nutzen das oft mehrmals täglich. Das ist eine gute Möglichkeit, sich mit Leuten, die sie nicht jeden Tag sehen, kurz einmal auszutauschen. Wenn ich das als Türöffner verstehe und Leute dann auch zu Begegnungen im „Real Live“, wie man so schön sagt, einlade, dann finde ich das eine sehr gute Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben.
Wo ist heute die Situation herausfordernder? In den Städten oder in den ländlichen Regionen? Im ländlichen Bereich gibt es noch eine funktionierende Vereinsstruktur. Unterschiede gibt es, das ist klar. Vor allem was die Mobilität betrifft, ist diese im städtischen Bereich viel größer. Aber durch die neuen Formen der Kommunikation, das Handy, das Web, verringern sich Distanzen und ich merke, dass Jugendliche generell mobiler werden. Großereignisse und Festivals gewinnen so zunehmend an Bedeutung.
Fühlt sich die KJ von der Diözese, von der Diözesanleitung genügend verstanden? Das kann ich auf jeden Fall bejahen, weil es einen sehr regen Kontakt mit der Diözesanleitung gibt. Wir haben regelmäßig die Möglichkeit, unsere Anliegen einzubringen, und ich merke, dass wir dort Gehör finden.
Zur Sache
Immer weniger Jugendliche am Land
In Randgebieten am Land haben es Jugendliche schwer, in ihrem Heimatort mit einer größeren Gruppe Gleichaltriger zusammenzukommen. Im Jahresvergleich von 2001 bis 2009 ist die Altersgruppe der Unter-Neunzehnjährigen in den größeren Städten und Linz ziemlich stabil geblieben, während es beispielsweise im Bezirk Freistadt ein Minus von 11 Prozent gab – das sind 2000 Kinder und Jugendliche weniger. In einer Randgemeinde wie Liebenau lebten 2001 521 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre. 2009 waren es nur noch 409 (minus 21,5 Prozent). Der demografische Wandel ist am Land auch deshalb stark, weil viele junge Erwachsene im Familiengründungsalter wegziehen. In Weyer kam so von 2001 bis 2009 ein Minus von 24,8 Prozent in der Altersgruppe der 20- bis 39-Jährigen zu Stande.