Der Tod des Präsidenten Lech Kaczynski und weiterer 96 hoher Repräsentanten Polens hat große Betroffenheit ausgelöst. Das Tagesgeschäft tritt zurück. Der politische Streit nimmt sich auf einmal kleinlich aus. Selbst Gegner – Kaczynski war eine streitbare und umstrittene Persönlichkeit – halten den Atem an. Es geht um viel, viel mehr als um Erfolg, Durchsetzungskraft und Macht. Es geht um das Leben. Die Mächtigen haben dieses Leben nicht fester in der Hand als jene, die etwa in den Slums von Rio eine Woche zuvor bei verheerenden Regenfällen weggespült wurden. Leben schützen! Leben lassen. Leben fördern. Das ist das erste Ziel. Auch das Evangelium der Christen gibt diesen Impuls. Die gleiche Trauer, die Millionen jetzt vor allem in Polen zeigen, soll auch den vielen gelten, die ohne weltweite Aufmerksamkeit zugrunde gehen – an Hunger, im Verkehr, durch Krankheiten: denen, die „abzustürzen“ drohen, weil sie als Asylanten nicht den richtigen Pass haben, weil sie zu alt sind und keinen Job finden, weil sie anstrengend sind und niemand mag sie daher. „Absturzursache“ ist oft fehlende Aufmerksamkeit – und Menschen hätten es manchmal in ihrer Hand gehabt, etwas zu tun.