Kopf der Woche: Patrick Kofi Kodom, Schubhaftseelsorger
Ausgabe: 2010/15, Menschenwürde, Kopf der Woche, Patrick Kofi Kodom, Schubhaftseelsorger, Steyler, Migranten, Integration, Aushilfskaplan
14.04.2010
- Susanne Huber
Der Steyler-Pater Patrick Kofi Kodom ist Schubhaftseelsorger – ein Amt, an dessen Verbesserung derzeit evangelische und katholische Kirche gemeinsam arbeiten.
Zweimal in der Woche begibt sich Pater Kofi Kodom in die beiden Schubhaftzentren in Wien, Rossauer Lände und Hernalser Gürtel. Dienstag und Mittwoch, von neun bis elf, ist er als Seelsorger für die oft verängstigten und unter Schock stehenden Migranten da, betet mit ihnen, vermittelt ihnen, dass sie wertvolle Menschen sind, macht ihnen Mut, gerade dann, wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde. „Die Schubhaftseelsorge ist für mich Anwaltschaft für Menschenwürde. Diese Leute befinden sich in einer schwierigen Situation, wissen oft nicht, warum sie in Haft sind, erfahren kaum Rechtsberatung. Ich versuche ihnen zu helfen, wo ich kann“, so Pater Kofi. Der Ghanaer ist 1992 in den Orden der Steyler Missionare eingetreten, studierte in Ghana Philosophie, in Kenia Theologie und wurde im Jahr 2000 in Ghana zum Priester geweiht. 2001 kam der Missionar nach Österreich.
Vorurteile. Jene, die aus der Schubhaft entlassen werden, seien illegal im Land, dürften nicht arbeiten, fänden schwer einen Platz zum Wohnen, müssen mit Vorurteilen seitens der Österreicher/innen kämpfen. „Die Anliegen der Asylwerber werden häufig nicht ernst genommen, sie gelten als Kriminelle, als Drogenhändler. Um dieses negative Bild zu verändern, müssen wir Wege zueinander finden“, sagt der Steyler Missionar. In seiner Pfarre zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit in Wien-Favoriten, wo er seit 2006 als Aushilfskaplan tätig ist, versucht der 40-Jährige immer wieder, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Beispielsweise indem er mit einem Chor aus Ghana den Gottesdienst gestaltet. „Nach der Messe können die Leute miteinander sprechen, Fragen stellen und so Vorurteile abbauen.“ (Siehe Panoramaseite)
Pater Patrick Kofi Kodom: „Integration ist keine Einbahnstraße. Sowohl die Österreicher/innen als auch die Migranten müssen sich bemühen, aufeinander zuzugehen und Vorurteile abzubauen.“