3. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr C), 18. April 2010
Ausgabe: 2010/15, Sonntag, Wirklichkeit, Evangelium, Lesung, 3. Sonntag der Osterzeit, Beziehung mit Gott, Johannes, Apostelgeschichte, Rainer Maria Rilke, Gott lieben, Wort zum Sonntag, Ernst Ritter, Klösterle, Langen, Stuben, Arlberg, Wort zum Sonntag,
14.04.2010
Wer sich auf eine Beziehung mit Gott einlassen will, kann seine eigene Wirklichkeit nicht überspringen. In der Begegnung mit seiner Realität – mit allem, was ist – kann ein Mensch aufgebrochen werden für die Erfahrung göttlicher Wirklichkeit in sich selbst. Und wo ein Mensch sich der größeren Liebe Gottes anvertrauen lernt, kann Versöhnung geschehen. In der Begegnung mit Jesus findet Petrus den Mut, zu seiner Wirklichkeit zu stehen, und zu dieser gehören der Verrat und die Liebe.
Evangelium
Joh 21, 1–19
Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanael aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten: nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, Amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!
1. Lesung
Apg 5, 27–32. 40b–41
Man führte sie herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; ihr aber habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen. [. . .] dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließ sie frei. Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.
Lesung
Offb 5, 11–14
Wer seines Lebens viele Widersinne versöhnt und dankbar in ein Sinnbild fasst, der drängt die Lärmenden aus dem Palast, wird anders festlich, und du bist der Gast, den er an sanften Abenden empfängt.
Du bist der Zweite seiner Einsamkeit, die ruhige Mitte seinen Monologen; und jeder Kreis, um dich gezogen, spannt ihm den Zirkel aus der Zeit.
Rainer Maria Rilke
Wort zum Sonntag
Gott lieben
Dreimal fragt Jesus den Petrus nach seiner Liebe. Bei der dritten Anfrage weiß sich Petrus an seinen Verrat erinnert. Schmerzlich brennt die Erinnerung daran, wie er seinen Meister verleugnet hatte, während dieser dem Verhör vor dem Hohepriester Hannas ausgesetzt war. Jetzt, da Petrus das dritte Mal nach seiner Liebe gefragt wird, fordert ihn Jesus heraus, sich seiner Wirklichkeit zu stellen, wie sie ist und nicht, wie er sie haben will. In der Begegnung mit Jesus findet Petrus Mut, zu seiner Realität zu stehen, und zu dieser gehören Verrat und Liebe. Jesus verzichtet auf jede Wertung, er verurteilt Petrus nicht. Er öffnet in ihm den Raum, in welchem dieser den Schmerz der Erinnerung zulassen kann. Nun ist Petrus fähig, dem ins Auge zu schauen, was er nicht wahrhaben will und vor Gott und den Menschen verstecken möchte. So kann er jetzt sagen: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe.“ (Joh 21, 17)
Wer sich auf eine wirkliche Beziehung mit Gott einlassen will, kann seine Wirklichkeit nicht überspringen. Meine Wirklichkeit wie sie ist, ist der Ort, wo Gott mir entgegenwartet. Das in mir anwesende Gottesgeheimnis vermag es, mich mit meiner ganzen Wahrheit zu versöhnen. Die geistliche Reife eines Menschen besteht nicht darin, dass er einem Ideal nachläuft, so erhaben und gottgefällig es auch erscheinen mag, sondern darin, dass er mit dem leben lernt, was ist. In der Begegnung mit seiner Realität, mit allem, was ist, kann ein Mensch aufgebrochen werden für die Erfahrung göttlicher Wirklichkeit in sich selbst. Aber es bedarf des Mutes, die Dinge zu nehmen, wie sie sind und nicht, wie ich sie haben will. Nicht, dass diese Aufgabe in einem einzigen heroischen Akt zu leisten wäre, vielmehr geht es um einen geduldigen, bisweilen schmerzlichen Prozess der Annäherung und des Sich-vertraut-Machens mit dem, was ist. Dort, wo ein Mensch sich mit dem, was in ihm ist, einer größeren Liebe anvertrauen lernt, geschieht Versöhnung mit „des Lebens vielen Widersinnen“.