In einer Kirche Fresken zu malen ist keine Arbeit wie jede andere. Die KirchenZeitung hat zwei Malern über die Schulter geschaut. Sie arbeiten gerade in der serbisch-orthodoxen Kirche in Linz.
Selbstverständlich ist das Ausmalen von Kirchen ein Handwerk, ein Kunsthandwerk. Und dennoch ist es etwas ganz anders, als bestimmte Szenen möglichst getreu einer Vorlage an die Wand zu pinseln. Das musste sich auch Erzpriester Dragan Micic, serbisch-orthodoxer Pfarrer in Linz, bewusstmachen. Seit 2007 kommen jährlich für mehrere Monate Freskenmaler aus seiner serbischen Heimat, um die ehemalige Linzer Hafenkirche mit Fresken auszugestalten, wie es der Tradition orthodoxer Kirchen entspricht. Da die Arbeiten viel Geld kosten, erwartete er eine effektive Vorgangsweise. Und er staunte nicht schlecht, als er immer wieder bemerken musste, wie die Männer am schönsten Vormittag lange Pausen machten, mit Seelenruhe eine halbe Stunde oder länger auf Bilder schauten, von denen er glaubte, dass sie schon fertig seien, um dann doch nochmals Stunden daran zu arbeiten. – „Das Malen ist ein geistlicher Prozess wie das Schreiben von Ikonen“, erklären die Freskenmaler Cedomir Randelovic und Sasa Marunic. Seit Mitte März sind die beiden knapp vierzigjährigen Männer in der Hafenkirche am Werk. Sie beginnen nie mit der täglichen Arbeit, ohne zuvor zu beten. „Entscheidend ist, dass man in Frieden malen kann. Wenn man innerlich gereizt ist oder mit dem Kollegen gestritten hat, muss man Pause machen, sich wieder versöhnen und sammeln.“ Vier Jahre lang haben sie an einer Schule der orthodoxen Kirche Serbiens gelernt und gehören zu den nun rund 20 Freskenmalern des Landes. Begeisterte Zeichner waren sie schon vor ihrer Ausbildung, in der Schule haben sie neben der Technik vor allem die Regeln gelernt, die mit den Darstellungen verbunden sind. Ob biblische Geschichten oder Szenen aus dem Leben von Heiligen – Personen, Hintergrund, Farben – alles ist in der Tradition festgeschrieben.
Fresken lenken Gedanken. Das Bildprogramm für die Kirche in Linz hat Pfarrer Micic – natürlich im Einklang mit der Tradition – festgelegt. Aktuell arbeiten die Freskenmaler an den Seitenwänden, die Darstellungen aus dem Leben Jesu, der Biografie des Kirchenpatrons, des heiligen Wassilius, und einzelner Heiliger zeigen. „Wenn wir hier in der Kirche Gottesdienst feiern, ist auch im Himmel Gottesdienst. Das ist unsere Überzeugung, dass himmlische und irdische Liturgie verbunden sind“, sagt Pfarrer Micic. „Daran erinnern uns die Fresken an den Wänden: Die Heiligen und die Engel – sie schauen auf uns. Das spornt uns zum intensiveren Beten an.“ Weiters begründet der Pfarrer mit einer sehr praktischen Überlegung die Bedeutung der Fresken: „Bei uns dauert die Liturgie eineinhalb bis zwei Stunden, so lange kann man als Gottesdienstbesucher nicht konzentriert sein. Wenn man seine Gedanken und Augen in der Kirche schweifen lässt, führen die Bilder auf den Fresken immer wieder zu dem heiligen Geschehen in der Kirche zurück.“ Außerdem versteht er die biblischen Szenen als Hilfe, das Evangelium besser zu verstehen.
Der Glaube muss schön sein
Die Linzer Hafenkirche, ehemals Gotteshaus der katholischen Pfarre St. Severin, dient seit 1992 der serbisch-orthodoxen Gemeinde als Pfarrkirche. Etwa acht- bis zehntausend Serben leben im Großraum Linz. Die ersten kamen in den 1970-Jahren als „Gastarbeiter“ in die VOEST. Erzpriester Dragan Micic, serbisch-orthodoxer Pfarrer, zog 1988 nach Linz. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Sein 19-jähriger Sohn Nemanja studiert das vierte Jahr in Serbien Theologie und möchte wie sein Vater auch einmal Priester werden.
Schule und Hausbesuche. Der Tagesablauf von Pfarrer Micic ist durch drei Tätigkeiten geprägt: Vormittags trifft man ihn zumeist im Pfarrzentrum bei der Kirche (Posthofstraße) an, um die Mittagszeit fährt er in die Schulen der Umgebung, um Religionsunterricht zu geben, und abends besucht er Familien. Sonntags feiert er die heilige Liturgie, am Samstag eine Vesper. Die würdevolle Ausgestaltung der Kirche ist ihm und der ganzen Gemeinde ein besonderes Anliegen. „Jeder, der die Kirche besucht, soll spüren, wie schön der orthodoxe Glaube ist.“
- Die serbisch-orthodoxe Kirche ist bei der Langen Nacht der Kirchen am 28. Mai 2010 geöffnet. Besucher/innen können unter anderem die Freskenmaler bei ihrer Arbeit sehen.