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Warnung: Dieser Anruf kann Sie ein Vermögen kosten!

Wie vermeintliche Gewinner zur Kasse gebeten werden
Ausgabe: 2010/16, Anruf, Warnung, Vermögen, vermeintliche Gewinner, Konsumentinnen, Konsumenten, Werbeanrufe, Falle, Geld, Betrug, Telefonterror, Arbeiterkammer, Rathwallner, Gewinnspiele, Konsumentenschützer, Autos, Reisen, Kochtöpfe, lästige Werbung, neues Geset
21.04.2010
- Elisabeth Leitner, Paul Stütz


Tagtäglich haben es die Konsument/innen mit einer wahren Flut von Benachrichtungen und Telefonanrufen zu tun, in denen tolle Preise und hohe Gewinne versprochen werden. Die Anbieter wollen die Verbraucher/innen in die Falle locken, um ihnen ihr Geld abzuknöpfen.
Dabei nehmen vor allem unerwünschte Werbanrufe immer mehr zu. Gegen diesen Telefonterror fordert die Arbeiterkammer ein neues Gesetz, das Konsument/innen besser schützt.



„Sie haben gewonnen!“ – Wie vermeintliche Sieger richtig draufzahlen!


Gewinnversprechen in den Briefkästen und Werbeterror am Telefon


Autos, Reisen, Kochtöpfe: Üppige Gewinne werden in seriös wirkenden Briefen oder am Telefon angepriesen. Vorsicht ist in jedem Fall geboten, dahinter stecken oft dubiose Firmen, die nur eines wollen: das Geld der vermeintlichen Gewinner/innen.

„Diese einmaligen Jubiläumsangebote gibt es nur für Sie!“, „Jeder Teilnehmer dieser Tagesfahrt bekommt eine Digitalkamera als Dankeschön und ein Mittag-Essen gratis dazu!“ – Diese Gewinnversprechen landen Woche für Woche in den Briefkästen. Auch Telefonanrufe mit Lock-Angeboten sind nicht selten. Um die Gewinne in Empfang nehmen zu können, müssen Werbeveranstaltungen besucht, Gewinne aufgerubbelt und Losnummern bekannt gegeben werden. Verbunden damit ist die Weitergabe persönlicher Daten wie Adresse und Geburtsdatum. Und nicht nur das: Nimmt man an einem Gewinnspiel teil, erhält man nicht selten einen Anruf mit dem Hinweis, die Gewinnchancen würden sich bei Einzahlung von 50 Euro erhöhen. Bei Nicht-Gewinn würde der Betrag rückerstattet. Die Aufforderung, dafür nun die eigene Kontonummer bekannt zu geben, folgt umgehend. Unbekannte kommen so an höchst sensible Daten. In vielen Fällen handelt es sich dabei um „Briefkasten-Firmen“, die nur ein Postfach bekannt geben. Die angekündigten Gewinne lösen sich damit in Luft auf und sind, wie die Firmen, nicht greifbar.

Gratis-Schnitzel und Nagelfeilen-Set. Werbeveranstaltungen oder ganztägige Gratis-Busreisen kosten Zeit und Nerven – und meist auch Geld. Lokalaugenschein in einem Gasthaus am Linzer Stadtrand: Im kleinen Saal für ca. 70 Personen im hinteren Teil des Gebäudes trudeln Gäste ein. Namen werden abgehakt, Plätze zugewiesen. Es soll schnell gehen und klar ist: Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben. Denn die Türen werden zu Beginn der Veranstaltung zugemacht und nur mit (Toilette-)Erlaubnis kann man unter den gestrengen Blicken der Türsteherin den Raum verlassen.

Die Chance des Lebens. Dass die anwesenden Personen jetzt die Chance des Lebens haben, wird vom Moderatoren-Paar deutlich vermittelt. „Ihr habt heute die einmalige Gelegenheit, Produkte kennenzulernen, die es sonst so günstig nirgendwo gibt. Wir haben den Exklusiv-Vertrag mit dem Händler. Wir haben ein gewisses Kontingent. Eh klar. Das heißt: Ihr müsst schnell sein. Wenn die Sachen weg sind, sind sie weg. So ist’s!“ Wer sich zum zwölfteiligen Kochset nicht entschließen kann und auch keine Gesundheitsmatratze braucht, sollte wenigstens die Magnetfeld-Polster um günstige 12 Euro erstehen. Denn: „Die sind ein Wahnsinn und helfen gegen jede Strahlung!“ 90 Minuten dauert die Verkaufsshow, in der die Produkte wie am laufenden Band angepriesen und verkauft werden. Kombi-Angebote, Rabatte, Bonus-Prämien sausen den Teilnehmern um die Ohren. Dabei sind die Produkte – auch nach Abzug von „großzügigem“ Rabatt – noch immer hoffnungslos überteuert im Vergleich zu den handelsüblichen Preisen.

Faule Tricks der Telefonwerber. Es sind Überrumpelungstaktiken, die auch bei Werbeanrufen oft angewandt werden. Etwa wenn sich am anderen Ende der Leitung eine Stimme meldet, die unvermittelt, ohne jede Begrüßung oder Einleitung, sagt: „Antworten Sie auf unsere Gewinnfrage ... Was ist richtig A, B, C oder D?“, und schnell zur Sache kommt: „Wie lautet bitte Ihre Kontonummer?“ Zudem sind die Telefonwerber sehr hartnäckig. In Extremfällen rufen sie an einem Abend bis zu 50-mal an. Vorwiegend Lotto-Tippgemeinschaften versprechen am Telefon den einfachen Weg zum großen Gewinn und wollen langfristige Mitgliedschaften verkaufen.
Genügend Menschen fallen auf diese faulen Tricks herein. Das Geschäft der Telefonwerber boomt. Bei den Konsumentenschützen der Arbeiterkammer ist es mittlerweile das häufigste Thema, zu dem sie ihre Klienten beraten. Österreichweit registriert die Organisation tausende Beschwerden über Telefonwerbung. Nach den Lotto-Tippgemeinschaften kommen die häufigsten Anrufe von neuen privaten Telefongesellschaften und aus der Finanzdienstleistungsbranche. „Vor allem ältere Mitbürger fallen oft auf die Telefonwerber herein“, sagt Dr. Georg Rathwallner von der Arbeiterkammer. Besonders brisant ist die Situation, wenn den Telefonkeilern Kontodaten verraten werden. Konsumentenschützer raten dringend davon ab und empfehlen, unerwünschte telefonische Werbung bei der Fernmeldebehörde anzuzeigen. Dafür notwendig sind aber Name, Adresse und Telefonnummer der anrufenden Firma. Diese werden oft verschleiert, was meist damit beginnt, dass die Rufnummer unterdrückt wird. Zudem macht Konsumentenschützer Rathwallner kein Hehl daraus, dass Anzeigen die wahren Schuldigen wenig treffen: „Die Werber arbeiten meist eigenständig. Anzeigen treffen nur sie und nicht ihre Auftraggeber, die im Hintergrund agieren.“ Nach der momentanen Rechtslage haben die trickreichen Unternehmen eine günstige Position. Obwohl unerwünschte Werbeanrufe eigentlich verboten sind, bedeutet das „Ja“ am Telefon einen gültigen Vertrag.

Neues Gesetz gefordert. Die Arbeiterkammer fordert deshalb einen verbesserten Konsumentenschutz bei unerwünschter Telefonwerbung. Ein telefonischer Vertrag soll erst nach schriftlicher Bestätigung gültig werden. Die telefonische Vertriebsform soll für Unternehmen damit rasch unattraktiv werden, so die Hoffnung. Im Regierungsprogramm der aktuellen Koalition ist diese Neuregelung bereits vorgesehen. Ende April werden Justiz-, Wirtschafts- und Konsumentenschutzministerium über weitere Schritte beraten. Rathwallner hofft auf eine rasche Lösung: „Solange es kein neues Gesetz gibt, müssen die Konsumenten leiden.“

- Leser/innen gefragt: Ihre Erfahrungen mit diesem Thema interessieren uns. Schreiben Sie an: office@kirchenzeitung.at. Berichterstattung folgt!



So wehren Sie sich gegen lästige Werbung!

- Bei unerwünschten Werbeanrufen Telefon auf keinen Fall die Kontonummer bekannt geben. Das Gespräch sofort beenden, mit dem Hinweis, dass solche Anrufe verboten sind.

- Nach Möglichkeit Namen und Adresse, Datum und Uhrzeit der Anrufe notieren, sowie die Telefonnummer: Mit diesen Daten kann man unerwünschte Telefonwerbung bei der Fernmeldebehörde anzeigen.

- Manche Gewinnspiele haben einen Haken . So werden oftmals Adressen weiterverkauft, was unerwünschte Anrufe und Briefe zur Folge haben kann. Das Gleiche gilt für Kundenkarten. Auch so werden gezielt Daten gesammelt.

- Wer bei einem Gewinnspiel mitmachen oder eine Kundenkarte erwerben will, kann bei der Adresse einen kleinen Fehler einbauen. So weiß man bei etwaigen weiteren Briefen, wer die Adresse weitergeben hat.

- Vorsicht vor Briefkasten-Firmen, die schriftlich mit Ihnen in Kontakt treten: Die meisten sind weder telefonisch, per Mail noch persönlich erreichbar. Als Adresse wird ein Postfach angegeben, viele sind in Wolfurt registriert.



Interview


„Der große Haken an Gewinnspielen“

Der Konsumentenschützer Georg Rathwallner von der Arbeiterkammer hat tagtäglich mit dutzenden Beschwerden wegen unerwünschter Werbeanrufe zu tun.

Unerwünschte Werbeanrufe und dubiose Zusendungen treffen auch Leute, die nicht im Telefonbuch stehen. Wie kommen die Firmen an diese Adressen?
Rathwallner: Viele Preisausschreiben und Gewinnspiele dienen vor allem dazu, Adressen und Telefonnummern zu sammeln. Deswegen sollte man sich schon gut überlegen, ob es lohnt, da mitzumachen. Viele Gewinnspiele haben diesen großen Haken.

Schon jetzt kann man unerwünschte Telefonwerbung anzeigen. Wieso braucht es ein neues Gesetz?
Rathwallner: Weil ein Ja am Telefon trotz Verbot von unerwünschten Werbeanrufen für Konsumenten bindend ist. Durch das neue Gesetz soll ein mündlicher Vertrag erst durch eine schriftliche Vereinbarung gültig werden.

Muss dann auch eine telefonische Pizzazustellung oder Kartenbestellung schriftlich bestätigt werden?
Rathwallner: Nein, eindeutig nicht. Bei bereits bestehenden Geschäftsbeziehungen oder wenn der Abschluss vom Konsumenten aktiv angebahnt wird, dann soll auch der mündliche Vertrag sofort gelten.

Dr. Georg Rathwallner, Konsumentenschützer bei der Arbeiterkammer OÖ.



Kommentar


Mit Opa in die Toskana

Vier Tage in die Toskana oder einen Mercedes vor der Haustüre: das war das briefliche Angebot, mit dem mein Großvater konfrontiert war. Und er wollte es wissen. Der Zufall sorgte dafür, dass sein Geburtstag mit dem Tag der Gewinnziehung zusammenfiel. Der Gewinn war unter allen Umständen persönlich abzuholen.
Schauplatz war ein ländliches Gasthaus, dazu gab’s bei Abholung je ein Wiener Schnitzel für jede/n Teilnehmer/in. Gratis! So zog die ganze Familie ins Gasthaus ein. Dort warteten schon an die 80 Gäste an ihren Plätzen. Lauter Gewinner/innen? Eigenartig. Der Hunger war groß, doch die Gewinnverteilung, die sich als Werbeshow entpuppte, sollte sich in die Länge ziehen. Bevor nicht das letzte zwölfteilige Kochtopfset den Ladentisch querte, nicht die letzte Gesundheitsmatratze verhökert war, durfte der knurrende Magen nicht erlöst werden. Kurz bevor das Wiener Schnitzel in Sichtweite war, mussten wir noch eine Präsentation der Magnetfeld-Polster bei Tisch erdulden. 12 Euro das Stück, ein Schnäppchen an diesem Tag. Ich habe gekämpft wie eine Löwin, dass niemand schwach wird. „Wir kaufen nix!“ Die Werbefrau wurde richtig grantig. Vom Gewinn war keine Rede mehr. Ohne Polster und mit dem alten Auto sind wir schließlich nachHause und nicht in die Toskana gefahren. Wir waren wirklich erleichtert, so gut davongekommen zu sein!

Elisabeth Leitner
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