Die Kulturhauptstadt Pécs beeindruckt mit langer christlicher Tradition in spannendem Umfeld
Ausgabe: 2010/16, Fünfkirchen, Kulturhauptstadt, Pècs, Südungarn, Theater, Festival, Balkan
21.04.2010
- Elisabeth Leitner
Noch pflastern bei einem Spaziergang durch Pécs Baustellen den Weg, doch mit Ende April wird der großangelegte historische Széchenyi-Platz im Zentrum fertiggestellt. Musik- , Kunstund Theater-Festivals beginnen die Kulturlandschaft in Südungarn zu beleben.
Der Weg ist lang nach „Fünfkirchen“, wie die ungarische Kulturhauptstadt 2010 auf Deutsch heißt. Mehr als 500 km sind Linz und Pécs voneinander entfernt. Lange zurück reicht auch die Kulturgeschichte dieser Stadt, die heute an die 160.000 Einwohner/innen hat. Aus dem 4. und 5. Jahrhundert nach Christus sind Grabkammern und Kapellen erhalten, die seit 2000 zum Unesco Weltkulturerbe zählen. Die historische Altstadt besitzt in ganz Mitteleuropa den reichsten Bestand an Denkmälern aus der Römerzeit. Die wertvolle Grabanlage unterhalb der Basilika St. Peter und Paul wurde aufwändig restauriert und ist nun für Besichtigungen unterirdisch begehbar. Die teils verzierten Grabkammern weisen Christusmonogramme auf. Die Basilika St. Peter und Paul geht in ihrer Grundsubstanz bis ins 11. Jahrhundert zurück, wurde mehrmals restauriert und umgebaut. Heute zeigt sich die Kirche in einem neoromanischen Gesicht. Im Mittelalter waren in Pécs Türken an der Macht. 150 Jahre prägten sie das südungarische Land, viele Baudenkmäler aus dieser Zeit – etwa die Gasi Khasim-Moschee –, heute die Pfarrkirche St. Marien, sind noch erhalten. Sie wird im Reiseführer als „größte muslimische Kirche in Mitteleuropa“ bezeichnet.
Tor zum Balkan. Im Kulturhauptstadtjahr mit einem Budget von insgesamt 140 Millionen Euro wird noch fleißig gebaut – die neue Bibliothek soll im Juni eröffnet werden, das Konferenz- und Konzerthaus im Winter. Auch das Künstlerviertel mit 35.000 m2 neben der Porzellanmanufaktur Zsolnay ist noch im Werden. Für das Programm stehen ca. 18 Millionen Euro zur Verfügung. Als „Tor zum Balkan“ und „Stadt ohne Grenzen“ lädt Pécs zu einem multikulturellen Austausch ein. Auf Besucher/innen warten Musik- und Tanzfestivals mit Weltmusik sowie Circus- und Straßentheater. Von 4. bis 8. Mai lockt ein Literaturfestvial, am 9. Mai findet der „Tag der offenen Kirchen“ mit einer Konzertserie für Frieden und Toleranz der Religionen statt. Von 9. bis 29. Mai beginnt die „Reise um den türkischen Halbmond“, in der türkische Kultur vorgestellt wird. Spannend!