Er blüht wieder. Das satte Gelb des Löwenzahns erfreut das Auge. Gesundheitsbücher preisen seine Kraft. Von der Wurzel bis zur Blüte sei alles nützlich an ihm. Ein Musterexemplar aus der Apotheke der Natur. Trotzdem. Viele Gartenbesitzer führen einen verbissenen Kampf geben den Löwenzahn – mit Stichwerkzeugen und sogar mit Gift. Er stört das reine Grün des Rasens, sagen sie, und befleckt das Image seines Besitzers, als wäre er schlampig und faul. Das Gute, das Heilende, beansprucht Platz. Die „Alternative“ muss man wachsen lassen. Wer Energie sparen will, muss auf Bequemlichkeiten verzichten und Platz in seinem Zeitplan einräumen. Wer gesunde Lebensmittel will, darf nicht nur nach Billigstangeboten gehen. Er wird Platz in seinem Budgetplan einräumen müssen. Alles hat seinen Preis. Besonders das Gute. Manche stellen sich auch die Kirche vor wie einen Gartenrasen, ohne „störenden“ Wildwuchs. Doch wer eine Kirche haben will, die den Menschen nahe kommt, muss diesen Platz einräumen – mit ihren Blüten und Stacheln. Vielleicht kommt die Heilkraft der Kirche gerade aus diesem „Wildwuchs“, der ohne Respekt vor dem Gärtner einfach zwischen den Halmen sprießt.