„Gesund werden ist wie ver-rückt werden“, sagt Ute Lauterbach. Der Körper gibt dasSignal, wie man sich ver-rücken muss. Dieses gilt es zu entschlüsseln.
„Du hast Schnupfen, das heißt: Du hast die Nase voll.“ So einfach geht es für Ute Lauterbach nicht. Für sie ist klar, dass körperliche Beschwerden ein Ausdruck für seelische Unstimmigkeiten sind, allgemein zu sagen, was diese oder jene Krankheit bedeutet, würde aber nicht funktionieren. Sie sieht Krankheit als Reaktion auf ungünstige Gegebenheiten: äußere wie Lärm oder Umweltgifte, innere wie ständiger Ärger oder negative Lebensprogramme („Aus dir wird sowieso nichts.“), genetische Anlagen oder „ungelöste schicksalhafte Verflechtungen“.
Mit sich selbst beschäftigen. Was eine Krankheit sagen will, kann nur mit der konkreten Lebenssituation erforscht werden. Das ist „vielleicht enttäuschend“, weil es nicht so einfach geht, aber auch „erleichternd“, weil man sich sofort mit sich selbst beschäftigen muss. Die Grundbotschaft einer Krankheit heißt für Lauterbach: „Mach etwas anders. Wenn du nicht herausfindest, was das sein könnte, komme ich wieder oder bleibe ich!“ Die „Meisterfrage“ lautet: „Wann habe ich diese Beschwerde nicht oder weniger?“ Weiter: „Was ist dann anders?“, und schließlich: „Was kann ich also tun?“ Die Antwort, wie der beschwerdefreie Zustand erreicht werden kann, trägt jeder Mensch in sich selbst. Gesund ist jemand, der sein darf, wie er oder sie ist.
Mut und Kraft. Ute Lauterbach gesteht ein, dass man Mut und Kraft braucht, sich zu ver-rücken. Manchmal sind es Normen und Werte, die krank machen. „Wer sich nicht selbst gerecht wird, kann nicht anderen gegenüber gerecht werden“, so die Philosophin. Wer gesund werden möchte, muss als erstes erkennen, dass er krank ist, und dass er oder sie etwas ver-rücken muss. Dann gilt es, die Ursache zu erkunden: Was bedrückt offenkundig oder unterschwellig? Seit wann ist die Krankheit da? Wie kann ich das erreichen, was ich eventuell durch die Krankheit bekomme, ohne krank zu sein? Zum Beispiel: Ich kann mich ausruhen, ohne Kopfweh zu haben. Wer es ausprobiert, hat rasch Erfolg, denn: „Ich merke die eigene Kraft, wenn ich zu mir selber komme – auch an kleinen Dingen.“
Unheilbar. Zur Frage nach unheilbaren Krankheiten sagt Lauterbach: „Manche haben dann erst den Mut, das zu tun, was sie immer tun wollten. Für manche ist es nicht das Gute, weiterzuleben. Was wissen wir?“ Was nicht geht, gilt es anzunehmen, auch Wut und Hadern – „Weil ich so bin.“