Beim Projekt ju-can haben arbeitssuchende Jugendliche genug Raum und Zeit, neue berufliche Perspektiven zu entwickeln. Der Leitsatz: „Ich kann was, wenn man es mir zutraut.“
Sozial benachteiligte Jugendliche tun sich mit dem Berufseinstieg besonders schwer und bleiben am Arbeitsmarkt oft auf der Strecke. Das war schon vor der Finanzkrise so. Die schlechte Wirtschaftslage hat jedoch den Konkurrenzdruck und somit die Ausgangslage für diese Gruppe deutlich verschärft. Aus diesem Grund hat die bischöfliche Arbeitslosenstiftung der Diözese Linz für diese Zielgruppe das Projekt ju-can gestartet. Zehn Burschen und Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren werden seit Jänner intensiv begleitet. Zum Teil haben sie ihre Ausbildung abgebrochen, oder waren noch gar nicht arbeitslos gemeldet. Ofelia ist hingegen aus einem AMS-Kurs geflogen. „Ich war zu goschert“, sagt die 16-jährige, die eine Lehrstelle als Friseurin finden möchte. Auch bei ju-can muss sie sich an Regeln halten, hier wird jedoch mehr auf Eigenverantwortung als auf Strafen gesetzt, denn: „Wir sind nicht die Chefs der Jugendlichen“, betonen die Trainerinnen Iris Schwarzmayr und Barbara Ecker-Derflinger.
Zerrüttete Familien. Das Projekt, das auch vom Lehrlingszentrum Zoom unterstützt wird, verfolgt ein längerfristiges Konzept, das in etwa auf ein Jahr angelegt ist. Es soll grundlegende Fähigkeiten vermitteln und helfen, eine Klarheit über die persönliche und berufliche Entwicklung zu bekommen. Viele der Jugendlichen kommen aus zerrütteten Familien, hatten Probleme in der Schule und keinen leichten Start ins Berufs-(Leben). „Wenn ich in der Schule schlecht war, haben mich meine Lehrer immer zusätzlich runtergemacht“, sagt Thomas (15): „Ich bin aber weder blöd noch faul. Ich war nur im falschen Schulsystem gefangen“. Mit etwas Genugtuung erzählt Thomas, dass er mittlerweile eine Lehrstelle als Spengler gefunden hat, die er im August antreten kann. „Das steigert das Selbstbewusstsein enorm“.
„Ihr seid’s alle deppert.“ Dominik (18) wiederum ist zu ju-can gestoßen, weil er seine Lehre als Maschinenbautechniker abgebrochen hat. Er ist froh, sich ohne Stress neu orientieren zu können. „Was ich beruflich machen will, darüber habe jetzt noch keinen Plan.“ Ein gutes Gefühl sei aber, zu wissen, dass „die Trainerinnen an uns glauben“. Vorher hätte er in einer anderen Ausbildungsmaßnahme nämlich nur gehört: „Ihr seid’s alle deppert“. Die Trainerinnen von ju-can wollen den Jugendlichen genau das Gegenteil vermitteln: Mut machen und den Selbstwert steigern, was als Basis für alles weitere dient. Der Leitsatz: „Ich kann was, wenn man es mir zutraut.“ Dazu finden regelmäßig Präsentationen vor der Gruppe statt, gibt es Einzelcoaching und ein Outdoortraining. All das ist mehr ist als eine bloße Ergänzung zu den Arbeitseinsätzen im Fahrradzentrum B7.Bei ju-can, das zu einem Drittel aus Landesmitteln und zu zwei Dritteln aus Spenden finanziert wird, gibt es genügend Zeit, um auf einzelne Biografien einzugehen. Das hat ein Mehr an Aufwand und Kosten zur Folge. Barbara Ecker-Derflinger: „Es kann aber nicht darum gehen, dass eine Maßnahme umso besser ist, je billiger sie angeboten wird.“