Die Geschichte der evangelischen Kirche im 16. Jahrhundert ist in der Landesausstellung zentrales Thema. Die Errungenschaften der Neuzeit werden ebenfalls näher beleuchtet: Wunderkammern, alte Bibelausgaben, seltene Exponate wie eine Seychellennuss warten auf die Besucher/innen in Schloss Parz.
Am 27. April öffneten sich die Tore für die diesjährige Landesausstellung, die an mehreren Orten zum Rückblick ins 16. Jahrhundert einlädt. Schloss Parz bei Grieskirchen lockt mit seinem wunderbar restaurierten Renaissance-Schloss und seiner Ausstellung. Tollet, Wallern, Peuerbach („Der Kometor“) und Rutzenmoos sind weitere Standorte im „Landl“ (die KirchenZeitung berichtete). Die Ausstellung im Schloss Parz nähert sich der wiedererweckten Zeit der Renaissance auf vielfache Weise: Lebensgefühl, Alltag, naturwissenschaftliche Forschungen, kulturgeschichtliche Entwicklungen werden in verschiedenen Räumen dargestellt; Religion, Glaube, Liturgie, Musik und Geschichte sind Thema.
Exoten der Neuzeit. Astrologie und Astronomie erlebten eine Zeit der Blüte. Neue Berechnungsmethoden – angeregt von Johannes Kepler und Georg von Peuerbach – machten Schiffsreisen in ferne, südliche Länder möglich. Mitgebracht wurden von dort nicht nur Paradeiser, Erdäpfel und Tabak, sondern auch exotische Tiere – wie etwa Leguane und Paradiesvögel. Leguan „Igor“, der in einem Ausstellungsraum die Besucherschar zu beobachten scheint, ist im Kreis der Exoten in guter Gesellschaft. Allerdings ist er das einzige lebende Exponat in diesem Ausstellungsraum und sicher in einem Terrarium untergebracht. Er hat als Errungenschaft der Neuzeit neben der Seychellennuss, dem Ein- und Nashorn einen Platz gefunden. Die angeblich heilbringende Wirkung der riesigen Seychellennuss – eine Frucht der Palme – machte sie beim Adel begehrt.
Kultur blühte auf. Was das Neue an der Neuzeit in der Bildenen Kunst war, wird in einem Raum anschaulich präsentiert: Die Zentralperspektive löste die flächigen Darstellungen ab, die Figuren erhielten mehr Eigenleben. Die Musikkultur lebte auf. Linz und Steyr entwickelten sich zu musikalischen Zentren. Der Meistergesang wurde gefördert, viele Singschulen sind entstanden. Musik gewann im Unterricht und in der Liturgie an Bedeutung.
Die Bibel lebt weiter. Ohne Buchdruck hätte sich die Idee der Reformation nicht so schnell verbreitet: Eine nachgebaute Buchdruckerpresse lässt erahnen, wie aufwändig das Verfahren war. Die Möglichkeit, seinen eigenen Namen setzen und drucken zu lassen, können Besucher/innen in der Ausstellung nun ebenfalls nutzen. Zahlreiche Bibelausgaben aus dem 16. Jahrhundert, die bis heute in Verwendung sind, belegen die lebendige Geschichte, die das Wort Gottes in der Tradition der evangelischen Kirche hat. „Viele dieser Schriften sind noch immer in Privatbesitz und haben seit Jahrhunderten überlebt“, ist Superintendent Gerold Lehner berührt von den Exponaten aus der Umgebung von Grieskirchen. Gezeigt wird auch die „Landhaus-Bibel“ aus dem Jahr 1574, die die Wirren dieser Zeit überstanden hat.
- Interview mit Superintendent Gerold Lehner, siehe Seite 6 und 7. Infos zur Landesausstellung: www.landesausstellung2010.at
Veranstaltungen rund um die Landesausstellung.
- Orgelpunkt 12 in Grieskirchen. Eine Konzertreihe, die das Kulturleben in Grieskirchen während der Landesausstellung bereichert, findet ab 30. April in Grieskirchen statt: jeweils am Freitag um 12 Uhr wird in der Pfarrkirche Orgelmusik erklingen. Namhafte Organist/innen wie Michaela Deinhammer, Rudolf Jungwirth, Wolfgang Kreuzhuber, Bernhard Prammer und Kristian Schneider werden die Orgelreihe gestalten. Am 14. Mai ist Balduin Sulzer zu Gast und wird an der Orgel improvisieren. Die Idee zur Orgelreihe ging vom PGR Grieskirchen aus, Stefan Holter und Norbert Mayr sind die Initiatoren dieses Orgelprojekts. Dauer jeweils bis 12.30 Uhr, Eintritt: freiwillige Spenden.
- Hofbühne Tegernbach: Am Do., 6. Mai wird um 20 Uhr Roland Girtler in Tegernbach zu Gast sein. Thema seines Vortrags ist: „Wenn’s gilt die Seel und auch das Gut – der Kampf der evangelischen Bauern“. Girtler erzählt über den Kampf der oberösterreichischen Evangelischen und ihre Verbannung nach Siebenbürgen – eine Veranstaltung im Rahmen der Landlwochen 2010. Am Di., 11. Mai ist das Spring String Quartett mit dem „Ober Austria Groove“ in Tegernbach zu hören. Die vier Musiker aus Oberösterreich, die zur Zeit mit Konstantin Wecker auf Tournee sind, bringen fetzigen Streicherklang auf die Bühne.
- Hausruckklänge im Mai. „Liebesluft“ nennt sich ein Windsingspiel, das im Mai in Grieskirchen die Ausstellungshalle der Firma Pöttinger Landmaschinen erfüllen wird. Die musikalische Komödie von Gunter Waldek schildert den Alltag einer Blasmusikkapelle, die durch einen außerirdischen Musiker ins Wanken gerät. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Norbert Hebertinger, der Text stammt von Norbert Trawöger. - Termine: Mi., 12. 5., ab 9 Uhr, Fr., 14. 5., 20 Uhr und Sa., 15. 5., 20 Uhr. Info & Karten: www.oeticket.at