Kinder auf die Schule vorzubereiten heißt nicht, mit ihnen Lesen oder Schreiben zu lernen
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28.04.2010
- Judith Moser-Hofstadler
Pia geht in die Schule [ (c) www.BilderBox.com, Erwin Wodicka, Siedlerzeile 3, A-4062 Thening, Tel. + 43 676 5103678.Verwendung nur gegen HONORAR, BELEG, URHEBERVERMERK nach AGBs auf bilderbox.com], Allgemeinbildung, Ausbildung, Bildungsniveau, Bildu
Alleine anziehen, mit Messer und Gabel essen, beim Backen helfen – lauter Kleinigkeiten, die stolz machen und nebenbei die Schulfähigkeit fördern.
Viele Eltern sind fast so aufgeregt wie dieKinder selbst, wenn sie an den Schulbeginn denken. Manche fragen sich, ob ihr Kind auch reif für die Schule ist. Muss das Kind den eigenen Namen schreiben, bis zehn zählen oder eine Schleife binden können? „Eltern müssen sich nicht hinsetzen und mit dem Kind Lesen oder Schreiben üben“, sagt Christa Wallner, die über Spiegel-Eltern-Kind-Zentren Seminare zur Schulvorbereitung im Alltag anbietet. Sie weiß, wie Kinder wie nebenbei für den Schulstart gefördert werden können oder von selbst dafür üben.
In der Klasse. Die erste Herausforderung in der Schule ist es, sich in einer großen Gruppe von Kindern als Einzelner angesprochen zu fühlen. Wenn ein Kind im Kindergarten oder daheim nicht reagiert, wird es direkt angesprochen. Als Übung zu Hause könnte das Kind kleine Aufträge bekommen, die es alleine ausführt, etwa Einkaufen gehen. Damit trainiert es auch Merkfähigkeit, die es braucht, um sich die Hausübung zu merken, solange es noch nicht schreiben kann.
- Buchtipps: Der Ernst des Lebens. Sabine Jörg, Ingrid Kellner, Thienemann Verlag (Bilderbuch). Reif für die Schule? Editz Steffan, Veritas Verlag.
- Homepage Spiegel: www.spiegel-ooe.at
Tipps
Spielerisch können Eltern ihr Kind auf die Schule vorbereiten:
- Sprachförderung: Bücher vorlesen und das Kind nacherzählen lassen. „W-Fragen“ (Wer, Was, Wo, Wann, Wie) verwenden. Vorlesen fördert die Lesefreude, auch wenn das Kind schon selbst lesen kann.
- Selbstständig an- und ausziehen: Das müssen Kinder für den Turnunterricht in der Garderobe tun. Es wäre enttäuschend, immer Letzter zu sein.
- Beidhändiges Arbeiten fördert die Koordination von rechter und linker Gehirnhälfte: z.B. mit Messer und Gabel essen, eventuell zuerst Plastikbesteck als Spielmaterial zur Knetmasse geben. Schleife binden – Fußballschuhe oder Puppenkleider mit Schleife besorgen.
- Orientierung üben: Statt „da ist etwas Interessantes auf meiner Seite“ kann man sagen: „Schau links/rechts aus dem Autofenster.“ Auch was „dazwischen“, „vor“ oder „hinter“ heißt, ist für ein Kind nicht logisch. Diese Zuordnungen sind später wichtig bei Zahlenreihen.
- Helfen im Haushalt beinhaltet viele feinmotorische Übungen. Wäsche aufhängen mit Klammern stärkt die Finger, die dann leichter Stifte halten können. Sockenpaare zusammensuchen fördert den „Augensprung“, der wichtig ist für das Lesen im Zusammenhang. Beim Backen helfen fördert das Gefühl für Mengen (abwiegen, drei Eier, fünf Löffel Mehl …).
Zur Sache
Schulfähigkeit
Schulfähigkeit wird an mehreren Bereichen gemessen: kognitiv, körperlich, sozial und emotional. Besonders die soziale und die Gefühlsebene werden oft unterschätzt. Viele Eltern beobachten, ob das Kind Ansätze zum Lesen, Schreiben oder Rechnen hat. Genau so wichtig ist aber, wie selbstständig ein Kind ist oder wie es sich in eine Gruppe einfügen kann. Im Kindergarten gehörte es zu den Großen, in der Schule wird es bei den Kleinsten sein. Das ist für viele schwerauszuhalten.
Laufen und schreiben. Die Grobmotorik ist Voraussetzung für die Feinmotorik. Ein Kind, das im Laufen nicht auf Kommando stoppen kann, kann das auch nicht mit der Hand, was es aber zum Schreiben auf einer Linie braucht. Üben kann man das mit Laufspielen.
Der Kopf kommt zuletzt. Es gibt Richtwerte, was ein Kind mit sechs Jahren können soll, etwa beidbeinig über eine Linie hüpfen, ca. 20 Sekunden auf einem Bein stehen oder eine Treppe durchsteigen (abwechselnd mit linkem und rechtem Fuß auf die nächste Stufe statt den zweiten Fuß auf die Stufe nachzustellen). Daran erkennt man, ob das Kind überkreuzt mit beiden Körperhälften und damit mit beiden Gehirnhälften arbeiten kann. Wie immer bei Richtwerten, ist das bei jedem Kind anders. „Man muss auch beachten, wie alt das Kind ist,“ gibt Christa Wallner zu denken. Im August geborene Kinder sind fast ein Jahr jünger als andere in der Klasse, die im September geboren sind. Bei Buben entwickelt sich eher die Grobmotorik früher, bei Mädchen die Feinmotorik.Grundsätzlich gilt: Wenn das Kind auf der Gefühlsebene „reif“ für die Schule ist, kann es die körperliche und soziale Fähigkeit dafür erreichen, und erst dann ist es auch fähig, Lesen und Schreiben zu lernen.