6. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr C), 9. Mai 2010
Ausgabe: 2010/18, Klang geliebter Stimme, 6. Sonntag der Osterzeit, Gabriela Zarits, Muttersprache, Wort zum Sonntag, Annemarie Rasborcan, Evangelium, Lesung, Tonfall, Rhythmus, Baby, Mutter
05.05.2010
Tonfall und Rhythmus der vertrauten Stimme sind es, die das Baby beruhigen und trösten –„wie“ die Mutter etwas sagt ist wichtiger als „was“. Ein Gleiches geschieht in der Frohen Botschaft. „Wenn mich jemand liebt, wird er an meinem Wort festhalten . . .“, so Jesus. Schon hier klingt an, was die Jünger damals und wir heute noch nicht ganz verstehen. Aber der Klang gegenseitiger Liebe bringt etwas zum Schwingen . . .
Evangelium
Joh 14, 23–29
Jesus antwortete ihm (Judas): Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinem Wort nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.
1. Lesung
Apg 15, 1–2. 22–29
Es kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden. Nach großer Aufregung und heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und Paulus und Barnabas beschloss man, Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen sollten wegen dieser Streitfrage zu den Aposteln und den Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen. [. . .] Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern. Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit: Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien. Wir haben gehört, dass einige von uns, denen wir keinen Auftrag erteilt haben, euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben. Deshalb haben wir uns geeinigt und beschlossen, Männer auszuwählen und zusammen mit unseren lieben Brüdern Barnabas und Paulus zu euch zu schicken, die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben. Wir haben Judas und Silas abgesandt, die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen. Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!
2. Lesung
Offb 21, 10–14. 22–23
spürbare Ewigkeit
In den Augenblicken tiefster Liebe, selbstlos an ein Du verströmt, wird die Ewigkeit spürbar.
Annemarie Rasborcan
Wort zum Sonntag
Muttersprache
Es ist eines meiner Lieblingsgedichte – „Muttersprache“ von Christine Busta. Die Schriftstellerin zeigt den Lauf der Worte zum Herzen. Dabei, so sagt sie, tröstet und beruhigt die Kinder nicht das, was die Mutter sagt, sondern wie sie es sagt. Ich beobachte dies auch bei meiner kleinen Enkelin, die gerade ein paar Wochen alt ist. Sie versteht nichts von den Worten, die ihr liebevoll, leicht singend, wohlwollend von der Mutter und vom Vater gesagt werden. „Es ist der Tonfall, der Rhythmus, die Monotonie der Liebe in den wechselnden Lauten“, sagt Christine Busta und fährt fort: „dies öffnet die Sinne dem Sinn der Worte und bringt uns ein in die Muttersprache.“ Ein Gleiches geschieht auch in der Frohen Botschaft. Das Johannesevangelium beschreibt, dass Jesus gegenwärtig bleibt in seiner Kirche und dass er sich offenbart durch sein Wort. Jesus verheißt einen Beistand, den Heiligen Geist, der uns alles lehren und an alles erinnern wird, was er gesagt hat. Jesus verspricht Frieden, den nur er geben kann und dass er wiederkommen wird. Diese Botschaft hat für mich etwas von „Muttersprache“. „Wenn mich jemand liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ Schon in diesem ersten Vers klingt etwas an, was die Jünger damals und wir heute noch nicht ganz verstehen, aber der Klang der wechselseitigen Liebe bringt etwas zum Schwingen, das uns Hoffnung ist. Das Leben mit und aus ihm fasst alles zusammen, was ich und wir als Gemeinschaft der Glaubenden brauchen. Ganz konkrete Menschen haben mich in meinem Leben eingeführt in das Wort Gottes und in meine Muttersprache. Als burgenländische Kroatin kenne ich es gut, wenn der Rhythmus des Wortes mich ganz tief berührt und mich leben lässt. So etwas erfahre ich auch in der Katholischen Frauenbewegung und spüre, wie die Geistkraft Gottes aus Freundinnen eine geistige Verwandtschaft in Jesus Christus macht.
Zum Weiterdenken
Jesus ist in den Himmel aufgefahren. Entscheidend sind seine Spuren, die er hinterlassen hat.
Gabriela Zarits ist Diözesanleiterin der Katholischen Frauenbewegung und Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Eisenstadt.