Ausgabe: 2010/19, Kirche, Windischhofer, Peru, Salzburg, Fair, Mode
12.05.2010
- Matthäus Fellinger
Für Gerechtigkeit auf der Welt zu sein, ist nicht nur Ansichtssache. Es beginnt damit, was man anzieht und welche Lebensmittel man isst. Das Verhalten der Menschen auf einem Teil der Welt hat unmittelbare Auswirkungen in anderen Weltregionen. Der Missionar Franz Windischhofer erzählt in dieser Ausgabe von einem weltumspannenden Netz des Helfens. Und Schüler/innen aus Steyr haben – aus ähnlichen Gründen – gezeigt, dass „faire Mode“ sich schick tragen lässt.
Kirche braucht Träumer
Peru-Missionar Franz Windischhofer über das Gemeinsame der Kirche in Österreich und Peru
Sein Pfarrgebiet ist so groß wie das Bundesland Salzburg. Seit 30 Jahren wirkt der oberösterreichische Priester Franz Windischhofer in Peru. Die Botschaft, die er dort verkündet ist dieselbe, die er bei seinem Heimatbesuch auch in Oberösterreich erzählt.
„Die Würde des Lebens. Das ist unsere Hauptbotschaft“, sagt Franz Windischhofer. Etwa alle fünf Jahre kommt er heim. Zu seinem 30-jährigen Jubiläum als Missionar und zum 35-jährigen Priesterjubiläum richteten ihm Freunde in Bad Hall am 8. Mai ein Fest aus. Im Süden Perus, wo Franz Windischhofer wirkt, ist vor ihm 40 Jahre lang kein Priester gewesen. In viele der rund 60 abgelegenen Dörfer kommen er oder sein Kaplan nur ein- oder zweimal im Jahr hin, um Gottesdienst zu feiern. Da kommen die Leute dann fünf, sechs Stunden zu Fuß aus ihren Höfen her.
Für eine demütige Kirche. Die Wirtschaftskrise, aber auch die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche geben auch ihm zu denken. Doch auch wenn die Kirche heute angeschlagen dasteht, so sollte sie doch nicht ihre Botschaft zurückhalten, ist Windischhofer überzeugt. Die Kirche sollte sich dabei auf das Wesentliche besinnen. Eine demütigere Kirche ist für Windischhofer auch eine glaubwürdigere Kirche. „Wir tragen den Schatz in zerbrechlichen Gefäßen“, erinnert Windischhofer an einen Paulus-Brief. Die Kirche darf den Traum von einer gerechteren, heileren Welt nicht aufgeben, betont er.Wenn unmittelbar neben einer Goldmine – wie es Windischhofer in Peru erlebt – neun von zehn Kindern an Unterernährung leiden, dann darf man das nicht einfach zur Kenntnis nehmen.
Das Gespräch ist der Weg. Doch Franz Windischhofer ist in den 30 Jahren in Peru sehr besonnen im Auftreten geworden. Er hält nicht viel von revolutionärem Gehabe, setzt lieber auf den Weg des Gesprächs – mit den Betreibern der Gold- und Kupferminen zum Beispiel, damit sie auf die Bevölkerung Rücksicht nehmen und die Umwelt nicht kaputt machen. Gerade als Europäer soll man, meint er, nicht als Besserwisser auftreten. Schließlich haben viele der Umweltprobleme ja in Europa und Nordamerika ihre Verursacher.
Ein Netz, das hält. Doch es gibt nicht nur die wirtschaftlichen Zusammenhänge. Die Welt ist auch von einem Netz an Menschen umspannt, die für das Gute arbeiten. Die Heimatpfarren unterstützen seit 30 Jahren die Arbeit von Franz Windischhofer. So konnte er Internate aufbauen, an denen Kinder aus entlegensten Gebieten Unterricht bekommen, er betreibt Computerkurse, damit die jungen Leute Zukunftschancen haben. Die gemeinsame Aufgabe der Christen in Europa und in Peru benennt er mit dem hebräischen Begriff „Schalom“ – Menschen sollen das volle Leben haben. Dazu, sagt er, muss man vor allem den Individualismus aufbrechen und das Gemeinschaftliche fördern. „Wir haben das Träumen ein wenig vergessen“, meint er. Doch die Träume müssten größer sein als das, was man verwirklichen kann.
Zum Thema
Als Priester in Peru
Der Fachausschuss Mission der Pfarre Bad Hall hat am 8. Mai zu einem Fest mit „Padre“ Franz Windischhofer eingeladen. Aus Ebensee, Steyregg, Molln sowie aus dem Kolpingwerk und Bayern waren Abordnungen gekommen, die seit langem Franz Windischhofer unterstützen. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer überreichte ihm bei dieser Feier das Goldene Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich. Aus seinem ersten Wirkungsort im Norden Perus wurde Franz Windischhofer 1990 von einer Terroristengruppe vertrieben. Er entging nur knapp der Hinrichtung, weil sich Frauen der Pfarre bei den Terroristen für ihn eingesetzt hatten. Sein jetziges Gebiet mit den Hauptorten Arequita und Callali im Süden Perus liegt zwischen 3000 und 5000 Metern Höhe. Vieles wurde bereits verwirklicht: Gewächshäuser für Gemüseanbau, Frühstück für rund 200 Kinder, auch eine Armenküche. Von Callali aus erreicht auch der von Windischhofer aufgebaute Radiosender die Provinz.Solange es ihm die Gesundheit erlaubt, möchte Windischhofer in Peru bleiben. Als Linzer Diözesanpriester braucht das die Zustimmung des Linzer Bischofs. Auf längere Sicht kann sich Windischhofer auch eine Rückkehr vorstellen.