Vom Starren auf den Mangel zur Reich Gottes-Perspektive
Derzeitiges innerkirchliches Reden sei viel zu sehr von der Debatte um den Mangel geprägt: vom Priestermangel, dem Geldmangel bis zum Gläubigen-Mangel. Für die neue Linzer Pastoraltheologin Dr. Hildegard Wustmans ist es jedoch wichtiger, jene pastoralen Orte in den Blick zu nehmen, wo neue Aufbrüche und Möglichkeiten für die Kirche liegen. Am 6. Mai hielt sie ihre Antrittsvorlesung an der Theologischen Privatuniversität Linz, am 10. Mai stellte sie sich einem Journalistengespräch. Besonders positiv hob sie die in den Dekanaten Bad Ischl, Eferding und Linz-Nord durchgeführten „Dekanatsprozesse“ hervor, in denen nach solchen neuen Aufbruchsmöglichkeiten gesucht werde. „Wer von der kleinen Herde redet, redet nicht vom Reich Gottes“, meinte Wustmans. Nicht vom Mangel, vom Reich Gottes gelte es zu reden, von Orten mit Ausstrahlungskraft. „Wir leben in einer Phase der Kirche, wo sie weiß: Wenn sie sich jetzt nicht umstellt, fährt sie in den Supergau!“ Die Zeit, in der nur die „Ordnungskirche“ verherrlicht wird, sei vorbei. Die Kirche als Religionsgemeinschaft gelte es zu stärken.
Kontakte mit Missbrauchsstellengehen deutlich zurück
Was der Leiter der Wiener Ombudsstelle, Prof. Johannes Wancata, im Blick auf ganz Österreich festgestellt hat, gilt auch für die Diözese Linz: Die kirchlichen Ombudsstellen verzeichnen einen spürbaren Rückgang der Kontaktnahmen. Nachdem in März ein Höchststand erreicht wurde, verzeichnet man im April eine deutliche Abnahme der Kontakte, in den letzten beiden Wochen ist es noch ruhiger geworden. Österreichweit habe es im März 2010 genau 566 Kontakte mit allen Ombudsstellen gegeben, im April 257. Wancata betonte gegenüber der katholischen Presseagentur, dass Kontakt keineswegs mit konkreten Verdachtsfällen gleichzusetzen ist und dass es auch Doppelmeldungen gäbe. Die meisten Kontakte gab es mit der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien (seit Jänner 2010: 265), gefolgt von der Diözese Innsbruck (145) und Linz mit 130 Eingaben. In der Diözese Linz werden die Eingaben von den Ombudsleuten und der diözesanen Missbrauchskommission intensiv bearbeitet. Auch die österreichische Bischofskonferenz (21. bis 23. Juni 2010) wird sich wieder mit dem Thema befassen.