Ausgabe: 2010/19, Krankenhaus, Kinder, Patienten, Schulanfänger, Kindergartenkinder, Engerwitzdorf, Sr. Rosa
12.05.2010
- Josef Wallner
Nicht als Patienten, sondern als entdeckungsfreudige Besucher/innen kamen die Schulanfänger aus dem Pfarrcaritas-Kindergarten St. Ägidius (Gemeinde Engerwitzdorf) in das Krankenhaus der Elisabethinen. Sr. Rosa Steiner führte die Kinderschar durch das Haus und lüftete manches Geheimnis.
Planen könnte man das nicht: Keine zehn Meter von der Akutaufnahme entfernt beginnt Jana zu weinen. Die begleitenden Kindergartenpädagoginnen und auch die Kinder drehen sich zu ihr. Was ist passiert? – Sie deutet auf den Finger, aus dem Blut quillt. Eine Warze ist aufgebrochen. Sr. Rosa nimmt Jana an der Hand und geht mit ihr rasch in die Behandlungsräume, wo die Gruppe ohnedies schon erwartet wird. Dass die diensthabenden Schwestern nicht nur über ihre Aufgabe erzählen, sondern gleich praktisch gefordert sind, war nicht geplant, verleiht dem Besuch aber eine besondere Bedeutung. Die Verarztung ist rasch abgeschlossen und die quicklebendigen 17 Kinder wenden sich dem Ultraschallgerät zu. Einigen ist es bekannt. „Man kann damit ein Baby sehen“, rufen sie begeistert und erzählen, wie sie ihre Eltern zur Schwangerschaftsuntersuchung begleiten durften. Doch die Tuben, die bei dem Gerät liegen, geben den Kindern zu denken. „Das ist ein Gel, das hilft, dass der Herr Doktor besser untersuchen kann“, erklärt eine Krankenschwester. Die Buben verstehen sofort: „Aha, ein Gel – wir brauchen das für die Haare.“ Mit großem Interesse schauen sie auch auf den Papierstreifen, der aus dem EKG gekommen ist. Die vielen Zacken und Kurven im Auf und Ab – so ganz einleuchten will den Kindern nicht, war hier dargestellt ist. „So spricht das Herz“ übersetzt eine der Kindergarten-Pädagoginnen. Sr. Rosa führt ihre kleinen Gäste weiter in die HNO-Ambulanz. Sie war 25 Jahre lang OP-Schwester, arbeitet jetzt in der Aufnahme und ist darüber hinaus für die Spitals-Führungen zuständig. Es macht ihr Freude, mit den Kindern in Kontakt zu sein. Sie will mit ihrem Engagement ein wenig beitragen, dass die Kinder das Wort Spital nicht automatisch mit Angst verbinden. Und sie gibt Zeugnis von ihrem Leben als Ordensfrau.
Ein besonderer Einblick – in das Ohr. In der HNO-Ambulanz zieht die Technik die Kinder in ihren Bann. Kristina darf auf der Untersuchungsliege Platz nehmen und Oberarzt Dr. Georg Deschka führt einen kleinen Trichter an ihr Ohr. Über einen Bildschirm können alle Kinder in vielfacher Vergrößerung in den Gehörgang von Kristina schauen – die feinen Härchen bis zu den Gehörknöchelchen – alles ist deutlich erkennbar, weil OA Deschka eine Anleitung zum Sehen gibt. Die Kinder sind fasziniert.
Patienten-Weg. Von der Einlieferung ins Spital über verschiedene Orte für die Behandlungen bis zur Entlassung – diesen Weg geht Sr. Rosa mit ihren jungen Gästen nach. So dürfen sie bei der Rettungseinfahrt in einen Ambulanzwagen steigen. Aber deutlich „cooler“, wie sie sagen, wäre mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus zu kommen. Da sind sich alle einig, als sie im Halbrund um den weißen Kreis mit dem roten „H“ in der Mitte stehen, der den Landeplatz auf dem Elisabethinen-Spital markiert. Ohne ein Krankenzimmer zu betreten, bliebe eine Spitalsführung unvollständig. Die Kindergartenkinder werden in das Zimmer von zwei Ordensfrauen gebeten, die gerade auf Behandlung sind. Sie bestaunen die Technik der Betten und die Nachtkästchen mit Auszugstisch. Mit dem Lied „Wir sind die Kinder aus Engerwitzdorf“ lassen sie ein wenig von der Freude spüren, die sie selbst beim Gang durch das Spital der Elisabethinen erlebt haben.
Für die Patienten beten
Sr. Rosa Steiner von den Elisabethinen Linz macht die Kinder aus dem Pfarrcaritas-Kindergarten St. Ägidius (Gemeinde Engerwitzdorf) nicht nur mit den Spital vertraut, sie stellt sich den kleinen Besucher/innen auch als Ordensfrau vor. Ob die Kinder schon einmal eine Schwester gesehen haben, eine Frau mit Schleier und langem Rock? – „Ja, selbstständlich“, sagen einige Mutige, und andere nicken. Wo sie denn schon Ordensfrauen begegnet sind, will es Sr. Rosa nun genauer wissen. „Im Fernsehen“, sagt Paul mit fester Stimme. Jetzt im Elisabethinen-Krankenhaus sehen die Kindergartenkinder auch einmal eine Schwester außerhalb des TV-Bildschirms. Sie erfahren von ihr, dass nicht nur Hubschrauberlandeplatz und Operationssaal wichtige Orte im Spital sind, sondern auch die Elisabeth-Kapelle. Die Kinder hören gespannt zu, als Sr. Rosa auf das Buch beim Eingang der Kapelle zeigt und erzählt, dass die Patienten und deren Angehörige ihre persönlichen Anliegen hineinschreiben können. Die Schwestern nehmen die Bitten und den Dank der Menschen in ihr Gebet auf. Auch das Gebet für die Patienten gehört zur „Behandlung“.