Mit Kritik an der Kopftuchdebatte lässt Landessuperintendent Thomas Hennefeld anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen aufhorchen. Er ist neuer Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ).
Ausgabe: 03/2017
17.01.2017
- Heinz Niederleitner
Die Solidarität der 16 christlichen Kirchen im ÖRKÖ würde Randgruppen und Minderheiten gehören. Dazu rechnete Hennefeld vergangene Woche bei einer Pressekonferenz anlässlich der Weltsgebetswoche für die Einheit der Christen (18.–25. Jänner) auch die Muslime, die nicht zuletzt durch die neue Kopftuchdebatte angefeindet würden. Diese sei „verantwortungslos“ und bringe nichts für die Integration, sagte Hennefeld, der Landessuperintendent der evangelischen Kirche H. B. in Österreich ist. Er warnte vor einem weltweiten Problem des zunehmenden Nationalismus und der Aushöhlung demokratischer Strukturen.
„Fruchtsalat“
Hennefeld skizzierte seine Vorstellungen für die Ökumene: „Das soll kein Einheitsbrei oder Fruchtmus werden, sondern ein Furchtsalat, bei dem die einzelnen Füchte noch erkennbar sind.“ Andererseits gehe es in der Weltgebetswoche um das gemeinsame Feiern – auch wenn Hennefeld bedauerte, dass man offiziell nicht gemeinsam Eucharistie feiern könne. Dass der Woche am Dienstag der Tag des Judentums vorausging, war Hennefeld sehr wichtig: „Ohne unsere jüdischen Wurzeln können wir nicht Christen sein“, sagte er. Als gemeinsames Wirken der Kirchen nannte Hennefeld z. B. den karitativen und den ökologischen Bereich oder die Hilfe für verfolgte Christ/innen weltweit. Er sprach über Kooperationen beim Religionsunterricht, zeigte sich aber bei Forderungen nach einem Ethik-Unterricht skeptisch: einerseits, weil die Inhalte bei politischen Veränderungen wechseln könnten, andererseits, weil der konfessionelle Religionsunterricht für kleine Kirchen eine Frage der Identität sei. Die Weltgebetswoche steht heuer im Zeichen des Reformatiosgedenkens.