Zum gemeinsamen Gedenken an 500 Jahre Reformation im Jubiläumsjahr 2017
Ausgabe: 03/2017
17.01.2017
Liebe Schwestern und Brüder! Unser gemeinsamer Hirtenbrief ist Ausdruck der Dankbarkeit und der Hoffnung. Wir sind dankbar für den Weg, der uns als Kirchen aus der Trennung und dem Gegeneinander in das Miteinander geführt hat. Dahin, dass wir heute das, was uns eint, als wesentlich stärker ansehen als alles, was an Differenzen noch vorhanden ist. Im Glauben an den dreieinen Gott und in der Taufe ist unsere Einheit von Gott her grundgelegt, und von dieser Mitte aus wächst sie weiter. Wir sind insbesondere dankbar, dass die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999 den Weg bereitet hat, dass wir heute das Jahr 2017 nicht mehr im Gegeneinander begehen.
Wir sind auch dankbar für die vielen Gespräche im Vorfeld, in denen die katholische Kirche die evangelische darauf hingewiesen hat, dass dieses Jahr auch das Element der Buße enthalten sollte; – und die evangelische Kirche die katholische darauf, dass dieses Jahr zu Recht mit Freude begangen wird. Und wir sind schließlich dankbar, dass hier in Oberösterreich von Vertreterinnen und Vertretern unserer Kirchen ein gemeinsames Wort verfasst wurde. Dieses begrüßen wir und empfehlen es zum Studium.
Nach vielen Jahrhunderten der Zerstrittenheit, der Verwundungen und der Verfolgungen befinden sich katholische und evangelische Kirche nunmehr in einem guten ökumenischen Prozess des Miteinander und des Austauschs. Heute, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers, können wir Luther gemeinsam als Zeugen des Evangeliums, Lehrer im Glauben und Rufer zur geistlichen Erneuerung würdigen.
Wir sehen es als gemeinsame Aufgabe, uns auf Jesus Christus, in dem Gott sich unwiderruflich und unüberbietbar zusagt, zu besinnen und aus dieser Mitte heraus in der Öffentlichkeit unseren Glauben weiterzusagen.
Unsere Hoffnung geht dahin, an den verbliebenen Differenzen kontinuierlich und zügig so weiterzuarbeiten, dass die schmerzhafte und schuldhafte Trennung am Tisch des Herrn in absehbarer Zeit überwunden werden kann. Wir selbst verpflichten uns, diesen Weg mit Freude, Hingabe und Geduld zu gehen und uns nicht mit dem Erreichten zufriedenzugeben. Unsere Hoffnung geht dahin, den Austausch der Gaben zu fördern. Beide Kirchen haben einander so viel zu geben, beide können voneinander so vieles lernen, vermögen einander zu stärken, einander „Gehilfen zur Freude“ zu sein. Unsere Hoffnung geht dahin, dass uns dieses Miteinander befähigt, unseren Auftrag besser zu erfüllen: - die Verkündigung des Evangeliums in Kraft, Klarheit und Verständlichkeit; - die dienende und liebevolle Hinwendung zu den Menschen; - das Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Gemeinsam schließlich wissen wir uns gerufen zu der stets neuen Umkehr und Hinwendung zu ihm, der unser Lehrer und Meister ist. Gemeinsam wissen wir uns gerufen zu der steten Bitte an den Heiligen Geist, uns zu erneuern, damit wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden an seinem Werk: „zu verkünden das Evangelium den Armen, den Gefangenen zu predigen, dass sie frei sein sollen, den Blinden, dass sie sehen sollen, den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkünden das Gnadenjahr des Herrn“.
Das Jahr 2017 gemeinsam in diesem Geist zu begehen und damit nach 500 Jahren ein unübersehbares Zeichen zu setzen, dazu wollen wir aufrufen und Mut machen.
Linz, am Fest der Erscheinung unseres Herrn im Jahr 2017 Dr. Manfred Scheuer, Bischof Dr. Gerold Lehner, Superintendent