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Langmut in der Ehe

Herbert und Martha sind seit 30 Jahren verheiratet und haben vier Kinder miteinander großgezogen. Immer wieder kracht es bei den beiden.
Ausgabe: 03/2017
17.01.2017
- Andrea Holzer-Breid
Martha möchte mehr mit Herbert reden und Probleme immer sofort diskutieren. Wenn Herbert sich dann keine Zeit nimmt, fällt sie in eine tiefe Traurigkeit und macht ihm Vorwürfe: „Ich bin nicht wichtig für dich!“
Herbert wiederum hält Marthas Vorwürfe nicht mehr aus. Er erstarrt dann in Hilflosigkeit und ignoriert Martha ganz bewusst.

Mir erscheint ein Wort aus „Amoris Laetitia“ sehr brauchbar für Herbert und Martha: Das Wort „Langmut“, griechisch „makrothyme“ – das meint „langsam zum Zorn“ (Ex 34,6; Num 14,18). Langmut zeigt sich, wenn der Mensch sich nicht von seinen Instinkten leiten lässt und vermeidet, jemanden anzugreifen. … Langmut zu besitzen bedeutet nicht, uns ständig schlecht behandeln zu lassen oder physische Aggressionen hinzunehmen oder zuzulassen, dass man uns wie Objekte behandelt. Das Problem besteht, wenn wir verlangen, dass die Beziehungen himmlisch oder die Menschen vollkommen sind, oder wenn wir uns in den Mittelpunkt stellen und erwarten, dass nur unser eigener Wille erfüllt wird. Dann macht uns alles ungeduldig, alles bringt uns dazu, aggressiv zu reagieren (AL 92). Martha und Herbert haben ein gemeinsames­­­­­­­­­­­ ­Lebensthema: die Hilflosigkeit und die ­­­­Angst, ­nicht geliebt zu sein. Es ist ­­­­­­ein spannendes Phänomen, dass man sich üblicherweise einen Partner sucht, mit dem man die aus der Kindheit offenen Wunden noch einmal angehen kann.

Weil sie voller Langmut sind, beginnen sie zu üben. Martha übt sich darin, früher ihre Bedürfnisse und Grenzen auszusprechen. Essen gibt es zum Beispiel neu am Sonntag erst um 13.30 Uhr, weil Martha auch länger schlafen möchte. Martha sorgt besser für sich und die Vorwürfe werden weniger. Herbert hatte schon in seiner Herkunftsfamilie das Gefühl, er könne es niemandem recht machen. In der Beratung lernt er, dass er auch nichts recht machen muss, sondern einfach nachfragen kann, was Martha braucht. Herbert übt sich im Nachfragen und Da-Sein. Martha findet heraus, dass sie Herbert mehr Zeit lassen muss. Manchmal kann er einfach nicht sofort reden. Außerdem muss nicht immer alles angesprochen werden. Die Eigenheiten des anderen muss man einfach auch aushalten. Nur mehr wichtige Konflikte werden zu einem vereinbarten Zeitpunkt diskutiert. Martha und Herbert wollen lernen, einander so zu lieben und anzunehmen, wie sie sind – wie bei der Hochzeit vor 30 Jahren versprochen. „Dieser Langmut festigt sich, wenn ich anerkenne, dass der andere genauso ein Recht hat, auf dieser Erde zu leben, gemeinsam mit mir und so wie er ist. Es ist nicht wichtig, ob er eine Störung für mich ist, ob er meine Pläne durchkreuzt, ob er mir lästig ist mit seinem Wesen oder mit seinen Ideen, wenn er nicht ganz das ist, was ich erwartete. Die Liebe hat immer ein tiefes Mitgefühl, das dazu führt, den anderen als Teil dieser Welt zu akzeptieren, auch wenn er anders handeln sollte, als ich es gerne hätte“ (AL 92).

Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an: ­­­­­Beziehung Leben, Partner-, Ehe-, Familien- ­und Lebensberatung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/77 36 76.
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