Ausgabe: 2010/38, Schatz, Generaldechant, Wild, Generalvikar, wiedergewählt, Part, Periode
23.09.2010
- Matthäus Fellinger
Bei ihrer Herbstkonferenz wählten Ober-österreichs Dechanten den Pfarrer von Traun, Franz Wild, mit 45 von 49 Stimmen erneut zum Generaldechanten. Helmut Part von der Stadtpfarre Urfahr wurde ebenfalls wieder zu seinem Stellvertreter gewählt. Franz Wild im Gespräch mit der KirchenZeitung.
In Ihrer ersten Funktionsperiode sind Sie durch den Protest der Dechanten gegen die Ernennung von Gerhard Wagner zum Weihbischof zum wohl bekanntesten Dechanten Österreichs geworden. Wie sehen Sie das heute. Dass wir uns so konkret geäußert haben, war nicht nur mein Anliegen. Das haben wir miteinander durchgeredet und wir haben das Gefühl gehabt: Jetzt ist Zeit zu reden. Es gibt eine Stunde zu Schweigen und eine Stunde zum Reden – und das war die Stunde sich zu äußern.
Und bei welchen Angelegenheiten ist jetzt die Stunde zu reden da? In den letzten Monaten haben wir schmerzlich viel hören müssen zur Thematik Missbrauch und Gewalt. Da haben die Verantwortlichen auch klar benannt, was zu tun ist. Wo es immer wieder gilt, sich zu Wort zu melden, sind die konkreten Situationen, mit denen wir in unserer Arbeit zu tun haben. Die Kirche ist von zwei Polen geprägt. Einerseits ist da die Gemeinde vor Ort – und andererseits sind wir Kirche im Miteinander mit einer sehr langen Geschichte. Und diese beiden Pole müssen immer wieder zusammenfinden – und das ist oft mühsam. Die Gefahr ist groß, dass der Blick auf die Fragen der Menschen vor Ort nicht immer so gut gelingt von denen, die zu entscheiden haben.
„Kirche um der Menschen willen“ heißt der neue Kommunikationsschwerpunkt der Diözese Linz. Was erhoffen Sie sich davon? Ganz gewöhnliche Dinge. Wir sind nicht Ziel, sondern Weg zum Ziel. Wir müssen schauen, dass wir uns nicht selber zu viel leidtun. Wir haben uns in den Dienst einer Sache gestellt und versuchen, die Botschaft des Evangeliums für die Menschen erlebbar zu machen. Ich glaube, dass wir da einen großen Schatz anvertraut bekommen haben, sodass wir Menschen in konkreten Lebenssituationen helfen können.
Sie sind ja nicht nur Generaldechant, sondern auch Pfarrer. Wo erleben Sie heute, dass es sich lohnt, Pfarrer zu sein? Als Pfarrer lebt man auch von Erfahrungen eines größeren Miteinanders. Es ist schön, Feste und Gottesdienste zu feiern, aber sehr wesentlich sind die Begegnungen – in ganz persönlichen Situationen. Da erlebe ich ganz tragische, traurige und freudige Momente. Wenn da etwas dankbar angenommen wird, spüre ich, dass wir Pfarrer schon eine sehr wichtige Aufgabe haben – nicht, weil wir selber so wichtig wären, sondern weil das, was uns selber leitet, auch von anderen als wohltuend empfunden wird.
Im November sollen bei einem Diözesanforum wichtige Weichenstellungen für die Diözese Linz getroffen werden. Was ist Ihre Erwartung an dieses Treffen? Wir erleben, dass wir weniger werden und dass der Einfluss der Kirche geringer wird, dass sehr viele Leute aus der Kirche austreten. Wir ringen mit der Resignation. Wir erleben, dass auch das finanzielle Fundament geringer wird. Da hoffe ich, dass beim Forum das Miteinander in dieser schwierigen Situation gelingt, dass wir hinschauen, was in den einzelnen Gruppen, Bereichen und Ebenen möglich ist. Wichtig scheint mir, dass wir uns nicht in Gruppierungen aufsplittern oder dass wir nicht aufeinander neidisch sind. Wenn es heute mühsamer wird, so spüre ich doch: es macht Sinn, dafür einzustehen.
Zum Thema
- Um der Menschen willen. Bei der Dechantenkonferenz am 16. und 17. September wurde der neue Kommunikationsschwerpunkt der Diözese Linz, „Um der Menschen willen – dioezese-linz.at/sozial“ vorgestellt. Diese Woche wird er in der Öffentlichkeit präsentiert. Die Diözese Linz will dabei ihr soziales Handeln und Selbstverständnis in den Vordergrund stellen. Auch die KirchenZeitung wird diesen Schwerpunkt unterstützen, unter anderem mit einem inpuncto-Magazin zu Allerheiligen.
- Diözesanforum im November. Auf der Tagesordnung der Dechanten stand auch das für 20. November geplante Diözesanforum der drei großen diözesanen Räte Dechantenkonferenz, Priesterrat und Pastoralrat. Dort soll die Richtung der Gestaltung der Seelsorge in der Zukunft festgelegt werden. Diözesanökonom Mag. Reinhold Prinz rechnet für heuer erstmals mit einem Rückgang beim Kirchenbeitragsauskommen. Wie bereits berichtet, soll das Diözesanbudget gegenüber dem jetzigen Stand um etwa 8 Milionen Euro – rund 10 Prozent – niedriger werden. Etwa 1,5 Millionen Euro sollen im Personalbereich eingespart werden. Auch die finanzielle Ausstattung der Pfarren soll beim Diözesanforum diskutiert werden.