In der Literaturreihe der KirchenZeitung: "Donnas Haus" von Christina Maria Landerl und "Frühstück bei Fortuna" von Elisabeth Reichart.
Ausgabe: 2017/06
07.02.2017
- Maria Fellinger-Hauer
Christina Maria Landerl: Donnas Haus
„Eigentlich wissen sie alles, was es zu wissen gibt. Zumindest, was möglich war zu erzählen, zumindest, was sie erzählen konnten. …, eigentlich ist das nicht viel.“ In einem äußerst lakonischen, reduzierten Stil erzählt die aus Oberösterreich stammende und in Berlin lebende Autorin von zwei jungen Frauen, die in den USA aufeinandertreffen. Die eine, Liz, um an ihrer Dissertation über Adalbert Stifter zu arbeiten, Kathy, die andere, um zu fotografieren, und beide, um ihre unglückliche Vergangenheit hinter sich zu lassen. Auch Donna, ihre Gastgeberin, führt ein einsames Leben in einem leicht heruntergekommenen Haus. Während Liz und Kathy sich allmählich näher kommen – vor allem beim gemeinsamen Rauchen in der Eiseskälte vor dem Haus, gibt Donna kaum etwas von sich preis. Die Kommunikation der drei Frauen beschränkt sich auf Fernsehen, das Hören der immer gleichen Musik und hin und wieder gemeinsames Kochen. Ein Foto von siamesischen Zwillingen, das in der Küche hängt, regt allerdings die Phantasie der beiden an, und sie begehen eine Grenzüberschreitung. Eine wehmütige Geschichte über Einsamkeit, Distanz und Sehnsucht nach Nähe, die in wenigen Worten viel erzählt.
Christina Maria Landerl, Donnas Haus, Müry Salzmann, Salzburg – Wien 2016, 123 S., ISBN 978-3-938045-81-7.
Elisabeth Reichart: Frühstück bei Fortuna
Die Protagonistin und Ich-Erzählerin in Elisabeth Reicharts Roman lebt für ihre Arbeit. Sie forscht an menschlichen Zellen und das hat nicht nur Priorität in ihrem persönlichen Leben, es bestimmt auch ihre Sicht auf die Welt. „Je länger ich menschliche Zellen unter dem Mikroskop beobachte, desto öfter passiert es mir, dass ich Menschen um mich in ihrer Zellstruktur sah: Das freundliche Lächeln, die zärtliche Geste …, alles löste sich in wunderbare Zellbilder auf.“ Erik, ihr Geliebter, mit dem sie eine Fernbeziehung führt, nimmt das in Kauf. Wie er auch die Konkurrenz des ersten Freundes der Frau hinnimmt, der zwar nicht mehr am Leben, im Kopf der Protagonistin jedoch umso gegenwärtiger ist. Zwei junge Flüchtlinge, die von der Mutter ihres Chefs im Institut versteckt werden und die ihre Aufmerksamkeit verlangen, sowie ein rätselhafter Riesenpilz im Wienerwald bringen ihre wohl geordnete Welt unversehens in heftige Turbulenzen. Alte Verletzungen, Schuldgefühle und Ängste kommen hoch und lassen sich nicht mehr länger verdrängen. Und am Ende wird die Forscherin selbst zum Objekt der Beobachtung. Eine glänzend geschriebene, ermutigende Selbstfindungsgeschichte.
Elisabeth Reichart, Frühstück bei Fortuna, Otto Müller, Salzburg 2016, 217 S., ISBN 978-3-7013-1247-4.