Der größte Jahrmarkt Österreichs feiert Geburtstag und rollt seine Geschichte auf. Einblicke in die Gesellschaft von anno dazumal bis heute werden in einer Ausstellung geboten. Die Moral war übrigens schon vor 100 Jahren in Gefahr.
Ausgabe: 2017/06
07.02.2017
- Elisabeth Leitner
Karussel fahren, im Riesenrad über die Donau bis zum Pöstlingberg blicken, in ein Lebkuchenherz hineinbeißen und dann – müde und glücklich – mit einem Luftballon spätabends nach Hause gehen. Viele Kindheitserinnerungen der Oberösterreicher/innen sind mit dem Urfahraner Jahrmarkt verknüpft – und das seit 200 Jahren. Eine Ausstellung im Stadtmuseum Nordico widmet sich nun bis 21. Mai 2017 der Geschichte des Urfahraner Marktes. Sie zeigt historische Fotos, Zeichnungen, Holzschnitte und Videoaufnahmen aus den 1970er Jahren sowie zeitgenössische Fotografien u. a. von Norbert Artner, Erwin Rachbauer und Egon Hofmann.
Zur Geschichte
Am 20. März 1817 erteilte Kaiser Franz I. den Bewohnern des Markts Urfahr die Erlaubnis, zweimal jährlich einen Markt abhalten zu dürfen. Wanderhändler boten Stoffe und Geschirr an, Flachs, Hopfen, Leinen und Sensen aus dem Mühlviertel sowie Taschenmesser und Lebkuchenherzen standen hoch im Kurs. Quacksalber mischten Wundertinkturen und verkauften sie dem einfachen Volk. Mit dem Ersten Weltkrieg kam die Krise: Waren wurden knapp, Bierhütten und andere Belustigungen nahmen überhand. Die Moral war in Gefahr, man sorgte sich um die Jugend, ist in den Archiven nachzulesen. Durch die Eingemeindung Urfahrs war das vorläufige Ende fixiert. Bereits 1923 öffnete der Urfahraner Markt jedoch wieder seine Pforten, die Zeit der Schausteller brach an. Auch exotische Tiere und Menschen, „Zwerge“, „Riesen“ und „Kolossaldamen“, wurden präsentiert.
Blasmusik und Autodrom
Blasmusik im Bierzelt gehört zum Jahrmarkt wie das Autodrom-Fahren und die Schießbuden. Eine jener Formationen, ohne die der Urfahraner Markt bis in die 1990er Jahre kaum vorstellbar war, sind die „Linzer Buam“. Elisabeth Nowak-Thaller, die stellvertretende Direktorin des Kunstmuseums Lentos, hat als Tochter des Linzer-Buam-Kapellmeister Robert Thaller die Geschichte der Linzer Buam im Katalog und für die Ausstellung aufgerollt. „Damit sie nicht in Vergessenheit geraten“, so Nowak-Thaller. Sie selbst sei damals als Kind in den Festzelten zu Hause gewesen, erinnert sie sich gerne zurück.