Der Aufruf zum Ungehorsam der Pfarrerinitiative hat in der Kirchenleitung ein starkes Echo ausgelöst, wie auf Seite 10 der KirchenZeitung zu sehen ist. Wenn man die Stellungnahme dort und eine Reihe weiterer Wortmeldungen liest, spürt man, dass die Bischöfe erschüttert sind. Es mag sie vielleicht nicht so richtig beruhigen, aber eins ist sicher: sie sind nicht die einzigen, die mit dem Thema Ungehorsam zu tun haben. Zig-Tausende Eltern in diesem Land müssen sich täglich mit Ungehorsam herumschlagen. Als Vater von drei Kindern, die Älteste bald fünfzehn, gehöre ich auch zu dieser Gruppe – wenn ich zu Hause bin. Ob die Kürze der kurzen Hose, die Ordnung im Zimmer, die Reihenfolge zwischen Lernen und Nintendo spielen … all das gibt Stoff für intensive Gespräche. Die Liste lässt sich fortsetzen. Manchmal könnten sowohl Rede als auch Gegenrede ein bisschen besser überlegt sein, die Lautstärke ebenso, wie auch der Zeitpunkt der Auseinandersetzung nicht immer optimal ist. Man wird oft auch der ewig gleichen Themen müde. Aber es nützt nichts, das ist das Leben. Wenn ich dann und wann ein wenig Zeit habe, um über den „täglichen Ungehorsam“ nachzudenken, bin ich gar nicht so unglücklich. Irgendwie habe ich das Gefühl, wir wachsen dabei miteinander und aneinander. Und das ist schön.