Ein Christ im türkischen Parlament – das hat es seit 50 Jahren in diesem Land nicht mehr gegeben. Ein Rechtsanwalt hat es nun bei den Parlamentswahlen in der Türkei als unabhängiger Kandidat der Kurdenpartei BDP geschafft.
12.07.2011
- Susanne Huber
Erol Dora ist syrisch-orthodoxer Christ. Als solcher zählt er zu den etwa 3000 Angehörigen dieser religiösen Minderheit, die vor allem im Südosten der Türkei, im Tur Abdin, leben. Mit seinem Einzug ins Parlament hoffen viele Christen im Land – insgesamt sind das von den rund 73 Millionen Einwohnern der Türkei etwa 0,2 Prozent – dass sich ihre Situation künftig verbessern wird. Nach wie vor haben Christen in der Türkei keinen eigenen Rechtsstatus als religiöse Gemeinschaft und werden oft diskriminiert.
Als Rechtsanwalt hat sich Erol Dora immer schon für mehr Demokratie und für die Rechte der Christen im Land eingesetzt. So kämpft er zum Beispiel auch um die uralten „Landrechte des Klosters Mor Gabriel, die türkische Behörden dem Kloster streitig machen möchten“, sagt Aho Shemunkasho, Universitätsassistent im Fachbereich Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte der Universität Salzburg. Der Türke kennt die Situation der Christen im Südosten der Türkei gut, ist er doch selbst im Tur Abdin geboren und immer wieder in dieser Gegend unterwegs.
Werdegang. Erol Dora wurde 1963 in Hassana geboren, einem Dorf an der Grenze zum Irak.
Anfang der 90er Jahre mussten die dort ansässigen Christen das Dorf verlassen. Grund war die Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Militär und der kurdischen Untergrundbewegung PKK. Doch Erol Dora ist mit seiner Familie bereits viele Jahre vor der Räumung des Dorfes nach Istanbul gezogen, wo er zur Schule ging. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Ankara lebte der Türke ein paar Jahre in Schweden und Belgien. Mitte der 90er Jahre kehrte er nach Istanbul zurück, wo er seither als Rechtsanwalt arbeitet.