Er zählt zu den Großen des österreichischen Spitzensports: Manfred Pranger, der 2009 Slalomweltmeister wurde. Die KirchenZeitung hat ihn und seine Familie besucht und nachgefragt: nach dem, was ihm Kraft gibt, nach seinem Glauben und seinen Zielen.
12.07.2011
- Mathias Hofer
Während der Ski-Saison touren Sie viele Wochen von einem Ort zum anderen. Da bleibt kaum Zeit für die Familie ...
Manfred Pranger: Ich genieße die Zeit zu Hause das ganze Jahr. Im Winter jedoch mehr denn je, da man einfach weniger Zeit daheim verbringen kann. Jetzt um diese Zeit ist es besonders schön, weil man komplett entspannt ist und den Körper relaxt, damit er sich wieder erholt. Und da hilft natürlich die Zeit mit der Familie sehr. Wir unternehmen viel gemeinsam, gehen zusammen zum Spielplatz und Rad fahren.
Welchen Einfluss hat es auf Sie, wenn Ihre Frau und Ihre Kinder bei einem Rennen mit dabei sind?
Wir haben entdeckt, dass es einen sehr positiven Einfluss auf mich hat, wenn sie vor Ort live dabei sind. Ich bin dann immer gut gefahren, da ich einfach ein wenig relaxter bin. Man kann sich mit ihnen vor dem Durchgang noch unterhalten und das lenkt dann schon ein bisschen vom Start ab. Und darum müssen sie halt mit zunehmendem Alter umso öfter mitfahren.
Sie kennen beide Seiten der Medaille, waren Weltmeister und standen am Siegerpodest ganz oben. Doch Ihr Weg war auch von Verletzungen gepflastert. Wo finden Sie bei Tiefschlägen Kraft?
Am meisten Kraft habe ich immer bei meiner Familie und im Glauben gefunden. Die Familie hat mir insofern geholfen, als ich einfach gesehen habe, was wirklich wichtig im Leben ist: die Gesundheit meiner Kinder und viel Spaß mit meinen Liebsten haben zu können – sonst hilft der größte Erfolg nichts. Zusätzlich dazu habe ich meinen Glauben, der mir Mut, Stärke und Kraft gibt, nicht an mir zu zweifeln. Diesen Glauben habe ich immer gehabt und darum habe ich mich auch immer wieder zurückgekämpft.
In Ihrem persönlichen Umfeld ist bekannt, dass Ihnen auch der Glaube viel bedeutet ...
Ja, das stimmt. Ich habe schon am Anfang meiner Karriere zum Glauben gefunden, da ich ihn bereits als Kind in meiner Familie mitbekommen habe. Je schwerer die Zeiten im Sport für mich waren, umso mehr Gedanken machte ich mir über den Glauben. Er gab mir die nötige Kraft und einen eisernen Willen. Auch in aussichtslosen Situationen hat er mich in meinem Tun gestärkt, um an meinen Zielen festzuhalten. Und das hat sich im Nachhinein voll bewährt.
Doch auch in meiner guten Zeit, in der ich Rennen gewonnen habe, hielt ich am Glauben fest, da er mir vor den zweiten Durchgängen, wo der Druck sehr groß ist, die nötige Ruhe und Kraft gab, das zu schaffen.
Aber der Glaube spielt nicht nur im Sportlichen eine Rolle, sondern auch im familiären Bereich. Er hilft mir allgemein, einen gewissen Rückhalt zu haben, und das ist sehr wichtig.
Wie wirkt sich dieser Glaube aus: beim Sport, zu Hause?
Er gibt mir in beiden Punkten die nötige Ruhe und Sicherheit. Man hat im Hinterkopf ständig die Gewissheit, dass es da etwas gibt, das einem hilft.
Glaube versetzt Berge. War er Ihnen schon einmal eine besondere Hilfe?
Das ist mir schon ein paar Mal in den Sinn gekommen.
Es gab bereits einige ausweglose Situationen, in denen ich ans Aufgeben dachte. Doch es gab eine Kraft, die mir Hoffnung spendete und mir den Willen schenkte, mich an den letzten Strohhalm zu klammern. Erst im Nachhinein, wenn etwas geklappt hat, wird es einem richtig bewusst, dass es da etwas gab, ohne den man es nicht geschafft hätte.
Gibt es einen Ort, an dem Sie Gott besonders nahe sind?
Einen speziellen Ort gibt es nicht. Um Gott nahe zu sein, brauche ich nicht unbedingt einen besonderen Platz. Aber ich gehe auch oft in die Kirche, da ich dort gut nachdenken kann. Und auch beim Schifahren, beim größten Erfolg, merkt man, dass man Gott nahe ist. Ebenso, wenn man am sportlichen Tiefpunkt angelangt ist.
Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Wochen und Monate aus? Worauf freuen Sie sich besonders?
In der Familie haben wir gerade viel Zeit miteinander verbracht. Das war eine besonders schöne – und nach dem Druck der Wintersaison – auch besonders erholsame Zeit. Ich freue mich nun auch wieder auf die einzelnen Trainingsabschnitte.
Das Konditionstraining fängt dann wieder an und wenn man einen Monat im Ausdauertraining ist, freut man sich wieder aufs Schifahren im Juli. Damit ich topfit in die neue Saison starten kann.