Ausgabe: 2011/29, Herz, Schmuck, Schmuckstück, Ring
20.07.2011
- Dagmar Giglleitner
Er war mein allerliebstes Schmuckstück und abgesehen vom beachtlichen materiellen Wert vor allem von großer mentaler Bedeutung: der Ring, den mir meine Eltern zur Matura schenkten, ein Familienerbstück, das von Mutter zu Tochter weitergegeben wurde. Diese Tradition wollte ich aufrechterhalten und ihn dereinst auch meiner Tochter überreichen. Dementsprechend gut passte ich auf meinen Ring auf und verwendete ihn nur selten. Trotzdem: Eines Tages war er weg und die Chancen, ihn wieder zu finden, standen nicht gut. Alles Nachdenken, Suchen und Beten zum heiligen Antonius half nichts. Der Ring blieb verschwunden. Eine Zeit lang war ich untröstlich, dann wurde mir aber bewusst: Es ist nur ein Ring. Ein Gegenstand, der meine Lebensqualität nicht im Geringsten beeinflusst. Wie oft mache ich meine Zufriedenheit von materiellen Dingen abhängig! Dingen, die Luxus, „Schmuckstücke“ sind und vielleicht vorübergehend das Gefühl der Genugtuung geben, jedoch mit wahrem Glück nichts zu tun haben. Ich habe daraus gelernt: Pass auf, woran du dein Herz hängst! Vieles scheint so wichtig zu sein, gehört aber in Wahrheit nur zu den flüchtigen Freuden des Lebens. Und: Je mehr man besitzt, desto größer ist die Angst, etwas zu verlieren.耀