Qwirkle – „mit ‘W’ und nicht mit ‘U’ geschrieben“, darauf legt der Verlag Wert – ist zum Spiel des Jahres gewählt worden. Warum also nicht einmal qwirkeln oder halt ein anderes Brettspiel spielen?
Ausgabe: jugend, junge leser, spiele, qwirkle, for you, 30/2011
02.08.2011
- Ernst Gansinger
Spielwarenmesse N?rnberg 2006, Ravensburger, Piraten auf Schatzjagd
Das Spiel des Jahres ist der deutsche Spielepreis. Der heurige österreichische Preis – „Spiel der Spiele“ – wird am 16. August in Wien vergeben. Spielen, brettspielen, ist wieder in, gerade unter Jugendlichen. Sie treffen sich im Freundeskreis, um „Siedler“ zu spielen oder eines der vielen anderen ständig neu auf den Markt kommenden Spiele. Den Spieleboom hat gewiss „Die Siedler von Catan“ ausgelöst, das Spiel, das der Kosmos-Verlag 1995 auf dem Markt eingeführt hat. Ein ruhiges Spiel. „Qwirkle“ führt weit weg von der Siedlerei. Nicht in die Einsiedelei, aber auch nicht in den kommunikativen Wettbewerb um die besten Siedlungsplätze und den Erwerb von Rohstoffen. „Qwirkle“ aus dem Schmidt-Verlag ist eher ein ruhiges Spiel, an dem sich bis zu vier Personen beteiligen können. Sie setzen der Reihe nach bunte Steine. Diese müssen Reihen bilden – entweder so, dass sie farblich zusammen passen, oder so, dass sich gleiche Symbole aneinander reihen. Es sind sechs Farben und sechs Symbole im Spiel. Jeder Stein kommt drei Mal vor, also 6 x 6 x 3 Steine = 108 Steine. Eine Reihe ist voll, wenn sie aus sechs gleichfarbenen Steinen unterschiedlicher Symbole gebildet ist oder aus sechs gleichen Symbolen unterschiedlicher Farben. Jedes Setzen löst eine Wertung aus. Wer am Ende die meisten Punkte hat, weil er die Steine oft so angelegt hat, dass sie eine Reihe möglichst lange machten, hat gewonnen. „Qwirkle“ hat eine sehr einfache Regel. Man muss keine lange Spielanleitung durchackern. Das hat gewiss auch dazu beigetragen, dass die Jury „Qwirkle“ zum diesjährigen Spiel des Jahres erkor.
Einlesen lohnt sich. Es gibt ja auch andere Spiele, die mit einem längeren oder gar langem Regelwerk aufwarten und zunächst einmal eine Lesestunde brauchen, bevor man sich ans Spielen machen kann. Diese Spiele aber lohnen oft die Mühe des Einlesens. Selbst das Spiel, das seit 1995 für die Rückkehr der Spielfreude gesorgt hat, „Die Siedler von Catan“, hat eine längere Spielanleitung. Fast ein Wunder, dass es die Familientische und Jugendclubs erobert hat und diese bis heute besiedelt, wie es sich für richtige Siedler gehört.
Suchtpotenzial. „Kennerspiel“ nennt die Jury vom „Spiel des Jahres“ jene Spiele, die sich an Vielspieler wenden. An eine Zielgruppe also, die es gewohnt ist, Spielregeln zu lesen und die auch Freude hat, wenn ein Spiel länger als 20, 30 Minuten dauert. Das diesjährige Spiel für Kenner heißt „7 Wonders“, das im deutschen Raum über den Verlag Asmodee vertrieben wird. Die Spieler bauen rund um antike Weltwunder Zivilisation auf. Die Jury sieht durch „7 Wonders“ ein positives Spielerlebnis vermittelt. „Wie wahre Herrscher fühlen sich die Spieler, wenn beinahe im Minutentakt Karten in die Auslage wandern und das eigene Reich größer und größer wird. Die gleichzeitige Weitergabe von Kartenstapeln sorgt für einen schnellen Spielfluss und funktioniert in allen möglichen Besetzungen wunderbar. Das variantenreiche Spiel besitzt Suchtpotenzial.“ – So weit die Begründung der Jury Dieser Sommer ist bisher ohnedies verregnet, steht also einer Brettspiel-Sucht nichts im Wege.