Julia Leibezeder (19) ist eine von fünf oberösterreichischen Freiwilligen, die ein soziales Jahr in Asien, Afrika oder Lateinamerika verbringen werden. Am 5. September bricht sie nach Äthiopien auf, um sich dort in einem Don-Bosco-Projekt um hilfsbedürftige Kinder
zu kümmern. Der KirchenZeitung erzählte sie von ihrer Motivation, ihren Erwartungen und Sorgen.
Warum hast du dich entschieden, ein Volontariat bei Jugend Eine Welt zu machen? Julia Leibezeder: Der Hauptgrund ist: Ich habe einfach so viel Glück im Leben! Ich habe eine tolle Familie, Freunde, die Chance auf Schulbildung, lebe in einem gerechten, friedlichen Land ... Es geht aber nicht allen Menschen so und deswegen möchte ich etwas von dem Glück weitergeben. Wie geht es dir so kurz vor der Abreise? Welche Sorgen hast du, was könnte für dich schwierig werden? Julia: Da wir eine total gute Vorbereitung hatten, geht es mir ziemlich gut, aber natürlich kann man nicht alles im Vorhinein wissen. Schwerig wird es, glaube ich, kein sauberes Trinkwasser zu haben, sondern alles immer zuerst filtern oder abkochen zu müssen. Ich weiß auch nicht, wie es mir gehen wird, wenn ich sehe, wie die Leute teilweise mit den Kindern umgehen, weil es in Äthiopien noch häufig vorkommt, dass ein Kind geschlagen wird. So richtig Angst habe ich aber vor gar nichts. Wenn ich etwas anfange, ziehe ich es durch, und ich denke, dass es nach der Rückkehr am schwierigsten wird. Ich habe dann ein Jahr lang extremste Armut erlebt und weiß nicht, wie ich es aushalte, wenn ich sehe, wie die Menschen bei uns Sachen, die noch gut zu gebrauchen wären, einfach wegschmeißen oder Kinder in einer tollen, geheizten Schule sitzen und das aber überhaupt nicht schätzen. Ein Jahr sozialen Dienst zu leisten, ist sehr prägend für einen jungen Menschen. Was erwartest du dir? Was möchtest du lernen? Julia: Mein Hauptziel ist es, Lebenserfahrung zu sammeln. Afrika war bis jetzt so eine Art schwarzer Fleck für mich, da die Medien meis-tens nur von Hungersnot und Bürgerkrieg berichten. Ich freue mich sehr darauf, diesen Kontinent hautnah erleben zu können! Durch den Aufenthalt möchte ich Unterrichtserfahrung sammeln und etwas geduldiger werden. Ich weiß, dass ich Projekte organisieren werde, wo mir sehr wenig Mittel zur Verfügung stehen – vielleicht werde ich dadurch spontaner und flexibler. Natürlich will ich auch die Landessprache Amharisch lernen! Mitnehmen werde ich mir all die spannenden Momente, die ich mit den Kindern sicher erleben werde, und die Gewissheit, zumindest Einzelnen geholfen zu haben. Nicht alle haben die Möglichkeit, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Was kann man zu Hause für eine bessere Welt tun? Julia: Ich finde, man sollte im kleinen Kreis anfangen: Versuchen, nett zu den Mitmenschen zu sein, nicht verschwenderisch zu leben und das zu schätzen, was man hat. Geld spenden ist auch immer sinnvoll, wenn es eine vertrauenswürdige Organisation ist. Und sich einfach Gedanken machen und mit anderen Leuten reden – zeigen, dass einem nicht alles egal ist.
„Ich denke, dass es nach der Rückkehr am schwierigsten wird. Ich weiß nicht, wie ich es aushalte, wenn ich sehe, wie die Menschen bei uns Sachen einfach wegschmeißen.“ Julia Leibezeder