Vergangene Woche erhielt Alois Reisenbichler den Papst-Leo-Preis 2011 (mit J. Windischer, Innsbruck). Sein Lebensziel: Gerechtigkeit und Frieden küssen einander. (Psalm 85)
Auf dem Grabstein seiner Eltern, der „auch einmal mein Grabstein sein wird“, ließ Alois Reisenbichler die Madonna von Mariazell und die Friedenstaube von Picasso darstellen. Daneben steht der Satz: Gerechtigkeit und Frieden küssen einander (Ps 85, 11). Wallfahren und politisch agieren und demonstrieren, das gehört für ihn zusammen.
Gottesfrage. In seinem Elternhaus in Golling (NÖ) hat Reisenbichler eine tiefe, wenn auch traditionelle Religiosität erfahren, aber auch eine starke Abneigung gegen Krieg. Und schon als Kind habe er seiner Mutter bei der „Fastenaktion“ gegen Hunger geholfen. „Das alles war aber individuell, nicht politisch“, erinnert sich Reisenbichler. Das Entsetzen war daher groß, als er mit Freunden aus der Pfarre mit 17 Jahren eine Sozialistische Jugendgruppe gegründet hat. Vorangegangen war eine Glaubenskrise: „Wie kann ein liebender Gott Krieg und Unrecht zulassen?“ Seine Antwort, nicht Gott ist es, sondern wir Menschen sind für das meiste Leid und Unrecht verantwortlich, „rettete mir den Glauben und wurde der Anstoß zu meinem anhaltenden politischen Engagement“. Zum Sozialismus hat Reisenbichler die Kapitalismuskritik geführt, die er dann auch in der christlichen Soziallehre und in der politischen Theologie entdeckt hat. Der Arbeiterpfarrer Franz Sieder wurde ihm zum prägenden Weggefährten im Kampf für Frieden und Gerechtigkeit. Reisenbichler ist u. a. bei den Christ/innen für die Friedensbe- wegung, in der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialismus, in der Hiroshima-Gruppe, bei der KAB und bei Pax Christi engagiert.