Die Fußball-WM der Frauen beschert dem Sport einen Boom. Die Bundesliga-Spielerinnen Beatrice Ratzinger und Denise Pesendorfer erzählen von den Qualitäten des Frauenkicks, Karriereplänen und was halbnackt posierende Fußballerinnen dem Sport nützen.
Ausgabe: frauenfußball, union kleinmünchen, interview, jugend, junge leser, for you, 27/2011
05.08.2011
- Paul Stütz/Dagmar Giglleitner
Wie seid ihr zum Fußballspielen gekommen? Denise Pesendorfer: Ich war auf einem Fußballlager, wo mein Vater als Trainer dabei war. Fußball hat mich sofort fasziniert und so hab ich weitergemacht. Beatrice Ratzinger: Ich bin in die Sporthauptschule Kleinmünchen gegangen, wo wir ab und zu Fußball gespielt haben. Ihr geht jetzt beide in die Linzer Auhofschule. Welchen Stellen-wert hat dort Fußball? Denise: Schwierig. Wir fragen ab und zu, ob wir spielen dürfen im Sportunterricht, aber die meisten Mitschülerinnen sind dagegen, so wird’s halt nix. Da hat Frauenfußball noch einen Exotenstatus. Beatrice: In meiner Klasse sind sie schon interessiert. Da haben ein paar schon bei Spielen zugeschaut von Union Kleinmünchen.
Wie reagieren die Leute darauf, dass ihr Fußball im Verein spielt? Denise: Wir hören schon öfters: „Mädels können doch nicht Fußball spielen.“ Das kommt hauptsächlich von der Männerseite. Und Leute, die man neu kennenlernt, reagieren oft zuerst mit einem ungläubigen Blick. Und denen sagt ihr dann, dass ihr nicht nur irgendwo Fußball spielt, sondern in der Bundesliga? Denise: (lacht) Da kommen dann die ehrfürchtigen Blicke ... Spielt ihr ab und zu mit Burschen Fußball? Beatrice: Wenn wir im Freibad sind ja. Wenn die Jungs mitbekommen, wie gut wir spielen können, sehen sie es positiv. Euer Verein ist in der höchsten Spielklasse, wie oft müsst ihr da trainieren? Denise: Wir trainieren drei Mal in der Woche, mindestens eineinhalb Stunden, meistens wird es länger. Es fällt bei Union Kleinmünchen besonders auf, dass der Altersschnitt sehr jung ist ... Beatrice: Das Problem ist, dass kein Nachwuchs nachkommt und viel erfahrene Spielerinnen in kurzer Zeit aufgehört haben. Und jetzt müssen natürlich die Jungen spielen. Wirkt sich die Fußball-WM so aus, dass mehr Mädchen auf der Matte stehen und mitmachen wollen? Denise: Das Thema „Frauenfußball“ ist zwar viel in den Medien. Kann sein, dass viele deswegen mit Fußball anfangen werden. Beim Verein hat es auf uns jetzt nicht diese unmittelbare Auswirkung. Wie verfolgt ihr die Fußball-WM? Werdet ihr ein Spiel vor Ort anschauen? Denise: Ich schon, ich werde mir das Finale anschauen. Mein Tormanntrainer hat mich eingeladen. Wie beurteilt ihr die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball? Denise: Jede Mannschaft hat ihre eigenen Qualitäten. Frauen können aber auf jeden Fall genauso gut Fußball spielen wie Männer. Ein paar der deutschen WM-Spielerinnen haben sich für den Playboy ausgezogen, um quasi zu zeigen: „Wir sind auch Frauen, wenn wir Fußball spielen und keine Mannweiber.“ Was haltet ihr davon? Denise: Wenn sie den Männern was beweisen wollen, vielleicht haben sie es erreicht, ich weiß nicht. Ich würde es nicht machen. Frauenfußball kann man anders transportieren. Beatrice: Ich glaube nicht, dass die Männer deswegen jetzt ein besseres Bild vom Frauenfußball haben. Ich glaube die alten Vorurteile bleiben trotzdem. Was sind eure sportlichen Ziele? Denise: Ich möchte es ins Frau-en-Nationalteam schaffen. Der Nationaltrainer war die letzten drei Spiele von Kleinmünchen zum Beobachten da. Einstweilen schaut es ganz gut aus. Außerdem möchte ich nach Deutschland gehen. Dort gibt es viel mehr Förderungen für Frauenfußball als bei uns in Österreich. Beatrice: Nach der Matura möchte ich es ins Nationalteam schaffen und dann weiterschauen. So weit denke ich aber nicht an die Zukunft. Was kann das Nationalteam des Frauenfußballs erreichen? Denise: Ich glaube, mit der Frauen-Nationalmannschaft geht es sicher bergauf, wenn sie vom Staat Österreich gut gefördert wird. Unterstützung brauchen wir halt.
Im Männerbereich bekommt man teilweise als Spieler auch in der Bezirksliga Geld. Ihr seid in der höchsten Frauenspielklasse und kriegt nichts. Ist das unfair? Denise: Ich spiele Fußball, weil es mir Spaß macht, und nicht für das Geld. Deswegen macht es mir nichts aus.