Mit zahlreichen Aktionen drückten vielerorts Jugendliche der Langen Nacht der Kirchen ihren Stempel auf. In Ulrichsberg stellte sich beispielsweise der Jugendtreffpunkt mit seiner Arbeit und Ideen für die Kirche der Zukunft vor.
Ausgabe: for you, jugend, junge leser, lange nacht der kirchen, ulrichsberg, jugendtreff, kirche der zukunft, 22/2011
08.08.2011
- Paul Stütz
Rund 20 Schüler/innen im Alter von 12 bis 15 Jahren kommen jeden Samstag Nachmittag in die Pfarre Ulrichsberg, um gemeinsam zu essen, über aktuelle Themen zu quatschen und zu spielen. „Unser Angebot hat eine große Bedeutung, weil es sonst in der Region nicht viel Möglichkeiten gibt für Jugendliche in diesem Alter“, erzählt der ehrenamtliche Jugendleiter Stefan Müller (27). So kommen die Schüler auch aus den Nachbargemeinden zum Treffpunkt in Ulrichsberg. Stefan Müller: „Bei uns haben sie ihr Reich, wo sie im Prinzip tun und lassen können, was sie wollen“.
Engagierte Jugendliche. Rund um Konzerte, Messweinverkos-tung sowie Kirchenführung mit Pfarrer Augustin Keinberger gestalteten die Jugendlichen die Lange Nacht in dem gut besuchten Gotteshaus. Mit alkoholfreien Cocktails und Imbissen verköstigten sie die Besucher/innen. Im Rahmen der Aktion „Hallo, Rom“, die vor einem Jahr mit kirchenkritischen Liedern gestartet ist, brachten sie zudem ihre Ideen für die Zukunft der Kirche ein. „Bemalung an der Kirchende-cke“, „Mehr Action“, „Jüngere Pfarrer“, „Mehr Freiheiten für Priester“ wird dazu von den Jugendlichen auf ein Plakat niedergeschrieben. Felix Stöbich (14) wünscht sich außerdem, dass in der Messe kurze Filme gezeigt werden: „Es sollen Themen vorkommen, die uns Jugendliche interessieren.“ „Die Kirche soll weltoffener werden“, meint auch die ehrenamtliche Jugendleiterin Julia Dumps (21). Dazu gehören für sie die Öffnung des Priesteramts für Frauen und die Auf-hebung des Zwangszölibats. Ein Vorteil wäre, wie sie meint: Wenn die Priester selbst Kinder hätten, würden sie Paare besser auf die Ehe vorbereiten können. Seine Befürchtungen für die Zukunft äußert wiederum der 14-jährige Dominik Löffler: „Ich glaube, die Pfarrer werden einmal zu wenig.“
Zu viele Verbote. Dass sich viele junge Menschen eine offenere katholische Kirche wünschen würden, glaubt Anton Lauß. Der HTL-Religionslehrer aus Ulrichsberg hat sich dafür eingesetzt, dass „Hallo, Rom“ in der Langen Nacht vorkommt. „Viele der Jungen erleben die Kirche so, dass alles verboten ist und dass man hier nicht lebendig sein kann. Besonders bei der Sexualmoral ist das so“, erzählt er aus seiner Erfahrung in der Schule. Umso positiver findet er Aktionen wie „Hallo, Rom“: „Ich merke, dass viele junge Leute zwar kritisch sind, aber doch grundsätzlich an Kirchenthemen interessiert wären.“
Jugend und Lange Nacht der Kirchen Vom Popkonzert in Gallneukirchen, christlichem Punkrock in Ried über ein Kurzfilmfestival in Bad Ischl bis hin zur Jugendkirche „Free falling“ in Linz-Christkönig, die mit 500 Gästen besonders gut besucht war. Junge Leute konnten bei der Langen Nacht am 27. Mai an rund zehn verschiedenen Orten aus reichhaltigen „jungen“ Programmpunkten auswählen.