Mit dem Schlagwort „Josephinismus“ verbindet sich die Erinnerung an „unnütze Klöster“ und deren Aufhebung durch Kaiser Joseph II. Er hatte als Monarch ein System des Staatskirchen-tums eingeführt, das der Kirche eine gegenüber dem Staat dienende Rolle zuwies. Umgekehrt intensivierte die Errichtung neuer Pfarreien das kirchliche Leben. Zum Thema „Katholische Aufklärung und Josephinismus“ hielt das in Regensburg ansässige Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte heuer im Stift St. Florian seine Jahrestagung ab. Unter Leitung des Vorsitzenden Msgr. Dr. Paul Mai tauschten dreißig Teilnehmer ihr Wissen aus. Referate wurden gehalten über die Reformmaßnahmen Josef II. in den einzelnen Ländern des heutigen Mittel- und Osteuropas sowie über „Schule, Priesterbild und Ökumene“. Ausgangsfrage der Tagung war, ob die traditionelle Polemik in katholischen Kreisen gegen Josef II. gerechtfertigt ist, erklärte Msgr. Mai. Sein Resümee: „Kirche und Aufklärung stehen nicht in einem zwangsläufigen Gegensatz. Joseph II. hatte mit seinen Maßnahmen dem Verhältnis Glaube und Vernunft staats- und kirchenpolitisch auch schon bedenkenswerte Wege bereitet.“