Kaisermesse in Bad Ischl als Touristenmagnet und Treffpunkt von Österreichs Monarchisten
Ausgabe: 2011/34, Bad Ischl, Kaiserwoche, Franz Josef, Sissi, Öhler, Habsburger
24.08.2011
- Paul Stütz
Die Kaiserwoche im August bringt Zehntausende nach Bad Ischl. Es sind sowohl Touristen, die den alten Glanz der Habsburgerzeit genießen, als auch eingefleischte Monarchisten. Die katholische Pfarre bietet dem Fest mit der Kaisermesse eine Bühne und will den Massenandrang für sich nutzen.
Während die kaiserlichen Regimenter in ihren farbenprächtigen Uniformen schwitzen, winken Franz Joseph I. und Sissi fröhlich ihren Untertanen zu. „Er hat sein Volk geliebt“, schwärmt eine junge Touristin. Es ist der 18. August, an dem in Ischl der Geburtstag des k.u. k. Herrschers gefeiert wird. Tausende Schaulustige bevölkern an diesem Tag die Stadt, um das Flair der einstigen Habsburger-Sommerfrische zu genießen. Sie sorgen bei der Kaisermesse für eine gesteckt volle Pfarrkirche, in der Bischof Ludwig Schwarz in seiner Predigt die Glaubenstreue der Habsburger hervorhebt. „Die Aufgabe des Kaisers war, Christus zu bezeugen“, erklärt der Bischof. Als Schlusspunkt der zweistündigen Messe erklingt die Hymne „Heil dem Kaiser“ in der Kirche. Danach zieht der Festzug zur Kaiservilla, wo Bewohner und Verwalter Markus Habsburg die Kompanien abschreitet. Viele der Uniformieren treten mit einem gewissen Augenzwinkern auf, ein paar sehen in dem Fest eine wirkliche Auferstehung der Kaiserzeit. Ein Kommandant schreit: „Hoch lebe Habsburg!“
Die Massen für die Pfarre nutzen. Grundsätzlich könne man das kulturelle Erbe von Franz Joseph I. für Bad Ischl schon würdigen, meint Christian Öhler, katholischer Pfarrer in der 14.000-Einwohner-Stadt. Wie die meisten Ischler findet er, dass ohne den Kaiser der Tourismus in Bad Ischl kaum funktionieren würde (siehe auch Statements im Kasten). Immerhin macht der ganze Ort gute Geschäfte mit den Kaiserfeierlichkeiten. Streitpunkt ist dabei jedes Jahr die Öffnung der Läden am 15. August. Christian Öhler, dessen Pfarre einige Einkaufslokale vermietet, sagt dazu: „Mitarbeiter sollen am Feiertag auf keinen Fall beschäftigt werden.“ Anders sei der Fall jedoch bei Familienunternehmen gelagert, wo eine Öffnung für ihn in Frage komme. Auch die Pfarre selbst solle ihren Nutzen aus dem Massenandrang für sich ziehen, findet Öhler, der seit knapp einem Jahr in Ischl wirkt. Am Ende der Kaisermesse ruft er etwa zu Spenden für die Sanierung der Kirchendecke auf. „Die Kirche lebt nicht von der Luft“, sagt Bad Ischls Pfarrer im Gespräch mit der KirchenZeitung: „Ich bin absolut kein Monarchist, habe aber eine pragmatische Einstellung zu dem Thema.“ Zugleich betont Öhler, dass auch kritische Untertöne Platz hätten. In der Kaisermesse wurden etwa Fürbitten gegen Fremdenfeindlichkeit verlesen und heuer zum ersten Mal besonders problematische Passagen der Kaiserhymne weggestrichen.
Mitarbeit: Elisabeth Hiesmayr
Nostalgie um den Kaiser: Wie stehen Sie dazu?
„Monarchie haben wäre schön“ Die Kaiserwoche zieht viele Touristen an, die erst dadurch auf unsere wunderbare Landschaft aufmerksam werden. Die Habsburger haben viel getan für die Leute und Ischl einen Namen gemacht. Wenn wir heute neben der Regierung ein Königshaus hätten, wäre das sehr schön. Aloisia Hartl aus Traunkirchen
„Bad Ischl bekannter als Linz“ Durch den Bezug zum Kaiser wusste ich von Bad Ischl vor meinem Oberösterreich-Urlaub weit mehr als von Linz. Es ist nett, in Ischl die alten Zeiten zu fühlen. In diesem Zeitalter leben könnte ich mir gut vorstellen. Aber nur für ein paar Tage, weil heute schon alles komfortabler ist. Guerrino Toldo, Tourist aus Venedig
„Ohne Kaiser wären wir nix“ Bad Ischl wäre ohne den Kaiser nix. Ich glaube aber deswegen nicht, dass es mehr Monarchisten in Ischl gibt als anderswo. Es geht einfach um die touristische Vermarktung. Kritische Aspekte an der Kaiserzeit gibt es sicher. Ich sehe das aber locker, das ist noch dazu alles sehr lange aus. Martina Stögner aus Bad Ischl