Aktion SEI SO FREI setzt sich in Guatemala für Steinhauer-Kinder ein
Ausgabe: 2011/34, Guatelmala, Hehenberger, katholische Männerbewegung, Sei so frei, Steinbruch, Kinderarbeit
29.08.2011
- Josef Wallner
Kinder von Kinderarbeit zu befreien, ist nicht einfach. Die Familien brauchen das Einkommen. Der Aktion SEI SO FREI gelang es nun in einem Dorf Guatemalas, dass die Kinder zumindest während des Schulunterrichts nicht in einem Steinbruch arbeiten müssen. Ein Erfolg, der auch den Erwachsenen Mut macht.
Unendlich anstrengend, dabei die ständige Gefahr, sich zu verletzen, und trotz täglich elf Stunden Arbeit nur ein Verdienst, der kaum das Nötigste zum Überleben einbringt. Das ist die Situation von 50 Familien des Dorfes Retalhuleu in Guatemala. Wer schon oder noch irgendwie kann, muss Steine zerkleinern. Der Bruch ist in der Bauwirtschaft für Grundfesten und für Befestigungen sehr begehrt. Bei einer Reise im Jahr 2007 haben Franz Hehhenberger, Projektreferent der Aktion SEI SO FREI, und die lokale Mitarbeiterin Mayra Orellana erstmals mit den Steinhauer-Familien Kontakt aufgenommen, die am Straßenrand außerhalb des Dorfes ihre Arbeitsstätte haben. Dorthin rollen sie Steinbrocken jeder Größe, die sie dann mit Hämmern händisch zerkleinern. Bei ihrem ersten Besuch rackerten dort Erwachsene und Kinder. Nach und nach konnte Mayra Orellana das Vertrauen der Menschen gewinnen, den Kindern hin und wieder eine Abwechselung verschaffen, indem sie Spielenachmittage organisierte.
Am Rand der Gesellschaft. Bei der jüngsten Begegnung freute sich Franz Hehenberger zu erfahren, dass vormittags wirklich keine Kinder mehr beim Steinebrechen anzutreffen sind. Sie besuchen heute ausnahmslos die Schule. Nachmittags kommen sie für ein bis zwei Stunden in den Steinbruch, samstags den ganzen Tag. Das ist trotz allem nötig. Ein Erwachsener kann in einer Woche einen Kubikmeter Bruch erzeugen und bekommt neun Euro. Die Händler zahlen damit die Hälfte von dem, was sie das Baumaterial in der Stadt kosten würde. Damit die Familien irgendwie über die Runden kommen, wird jede Hand benötigt. Die Familien, die als Steinebrecher arbeiten müssen, sind vom gesellschaftlichen Leben des Dorfes ausgeschlossen. Sie sind die Ärmsten der Armen. Aber dank der Ermutigung durch die Aktion SEI SO FREI haben sie Hoffnung geschöpft. Sie möchten eine kleine Bäckerei errichten und damit für einige ihrer Leute neue Perspektiven eröffnen. In einem halben Jahr, hofft Franz Hehenberger von der Katholischen Männerbewegung, werden sie so weit sein, dass man das Projekt – mit Hilfe der Aktion SEI SO FREI– starten kann.