Michael Münzner ist der neue Jugendseelsorger in Oberösterreich. Der 32-jährige Priester spricht sich für kreativ gestaltete Messen aus, die alle Sinne der Jugendlichen ansprechen. Bei Veränderungen in der katholischen Kirche sei er für langsame Schritte nach vorn, sagt der gebürtige Wiener zu der Zurückhaltung der Katholischen Jugend in der aktuellen Reformdebatte. „Bin nicht der große Revoluzzer“
Michael Münzner ist mit September neuer Diözesanjugendseelsorger:
Michael Münzner ist der neue Jugendseelsorger in der Diözese Linz. Was er an der Arbeit mit jungen Menschen mag, was ihn selbst in der Kirche geprägt hat und wie gehorsam er ist, erzählte der 32-jährige Weltpriester im Gespräch mit der KirchenZeitung.
Welche Rolle kann man im Leben von Jugendlichen als Jugendseelsorger spielen? Michael Münzner: Ich würde sagen, Vorbild sein. Indem man ihnen zeigt, dass man selber in diesem Glauben groß geworden ist und diesen wertschätzen gelernt hat. Es geht darum zu zeigen, dass man eine Antwort auf die Fragen des Lebens und eine Erfüllung gefunden hat.
Was hat Ihnen an der Jugendarbeit in Gallneukirchen Spaß gemacht? Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist deswegen schön, weil man Kinder und Jugendliche dadurch, dass man sie begleitet, prägen kann.
Wie haben Sie Kirche als Jugendlicher erlebt? Ich bin in einer Großstadtpfarre in Wien aufgewachsen. Die Art der Pastoral, die ich da kennengerlernt habe, würde den heutigen Ansprüchen genauso entsprechen wie damals. Laienpredigten hat es bei uns vor 30 Jahren auch schon gegeben. Das Zugehen auf die Menschen, das Versuchen, sie für den Glauben zu gewinnen, das Ungezwungene, Begleitende war in unserer Pfarre selbstverständlich. Die Pfarre war ein Stück Heimat für mich, die Ministrantengruppe hat mich bis zur Priesterweihe stark geprägt.
Welche neue Sachen können in einer Jugendmesse ausprobiert werden? Eine Sache, die der Katholischen Jugend in Wien wirklich gelungen ist, waren diese find-fight-follow-Gottesdienste. Diese jugendgerechten Inszenierungen, wo der Wort-Gottes-Teil kreativ gestaltet wurde, teilweise in Filme verpackt, waren ansprechend und die Erfüllung des Kirchenraums durch Lichteffekte und Nebel ebenso. Ich war bei einigen dieser Gottesdienste dabei, und denke, dass sie viele Sinne angesprochen haben.
Jugendliche sind natürlich unterschiedlich. Gibt es trotzdem etwas, das für die meisten jungen Menschen typisch ist? Der typische Jugendliche ist sehr stark vernetzt. Facebook und Twitter sind wichtig – wenn man dort nicht präsent ist, ist man nicht da. Jugendliche sind bereit, in Internetforen vieles preiszugeben. Und oft beobachte ich bei gemeinsamen Treffen eine große Unverbindlichkeit.
Erinnert Sie die Arbeit mit den Jugendlichen an Ihre eigene Jugendzeit? Ich habe das Gefühl, dass ich heute mehr Jugendlicher bin, als ich es in meiner Jugend war. Deshalb genieße ich, dass ich das jetzt erleben darf. Mit Ministrantengruppenleitern aus Gallneukirchen bin ich immer wieder fortgegangen, was ich in meiner Jugendzeit so nicht gemacht habe.
Nicht nur, aber besonders für Priester ist die Frage aktuell: Wie gehorsam sind Sie? Was bedeutet für Sie Gehorsam? Die Frage ist, wem ist man gehorsam? In Gehorsam steckt Hören drinnen. Ich höre auf die Botschaft des Glaubens, die Botschaft von Jesus, da dies die Grundlage unseres Glaubens ist. Gehorsam bezieht sich auch auf die kirchliche Hierarchie. Da muss man dem Bischof, dessen Mitarbeiter ich bin, gehorsam sein, wenn er sich an die Botschaft des Glaubens hält. Natürlich darf man eine eigene Meinung haben – Gehorsam heißt nicht, dass man immer alles so sagen muss, wie es der Bischof sagt. Wenn man unterschiedlicher Meinung ist, soll man das aber unter sich klären und nicht über die Medien austragen.
Und was halten Sie von den Forderungen der Pfarrerinitiative? Ich kann viele Aspekte der Pfarrerinitiative gut verstehen, aber durch diese Austragung über die Medien kommt es nur zu einer größeren Abgrenzung. Ich bin der Meinung, dass viele kirchliche Positionierungen viel Weisheit enthalten, man darf sich von dieser jahrhundertelangen Tradition teilweise auch tragen lassen. Aber man muss immer wieder hinterfragen, ob sie heute noch zeitgemäß sind.
Die Katholische Jugend verhält sich bei der aktuellen Kirchenreformdebatte auffallend ruhig. Pointierte Aussagen zerstören oft mehr, als vorangebracht wird, daher soll eher ruhiger und langsamer vorgegangen werden. Besser ist, wenn wir langsam kleine Schritte vorwärtsgehen, als zwei Schritte zurück. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Ich bin nicht der große Streiter und kein großer Revoluzzer. Ich glaube, dass die kirchlichen Strukturen nicht so leicht aufzuweichen sind.
Beschäftigen sich Jugendliche, die in den Pfarren engagiert sind, mit der Gehorsamsdebatte? In Bezugnahme auf Gallneukirchen kann ich diese Frage mit Nein beantworten.
Weil sie so zufrieden sind, wie es ist? Fragen, ob z.B. wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen dürfen, stellen sich die Jugendlichen nicht, da die Praxis in den Pfarren eine andere ist. Sie hören vielleicht ab und zu, dass die die wiederverheirateten Geschiedenen eigentlich ausgeschlossen sind, aber sie erleben dies anders.