Forum „Kirche und Soziales“ nannte den geringen gesellschaftlichen Wert der Pflege als Motivationsbremse für Pflegeberufe
Ausgabe: Pflege, Helden, Günther Wesely, Christine Haiden, Welt der Frau, Diakoniewerk Gallneukirchen, Karl Lehner, Gespag, Waltraud Schwarz, Volkshilfe, Clemens Sedmak, Finanzierung, jung, Altenheim, Bezahlung, 39/2011
28.09.2011
Bei den am Podium vertretenen Einrichtungen – Diakoniewerk, Volkshilfe und Oö. Gesundheits- und Spitals AG, kurz gespag – werden in zehn Jahren etwa 2000 mehr Menschen in Pflegeberufen benötigt. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, ist eine Aussage einer Diskussion zur Zukunft der Pflege.
Die Hypo Oberösterreich lädt jährlich zum Forum „Kirche und Soziales“ ein. Die diesjährige Veranstaltung am 22. September im „forte“, dem Fortbildungszentrum der Elisabethinen in Linz, galt dem „Spannungsfeld Pflege“. Eigentlich sind es gleich mehrere Spannungsfelder, wie die von Welt-der-Frau-Chefredakteurin Christine Haiden geleitete Diskussion herausarbeitete: Entscheiden sich so viele Menschen für einen Pflegeberuf, die es braucht, um die vom Gesetzgeber festgelegte Zahl zu erreichen? Die geringe Bezahlung und der geringe gesellschaftliche Stellenwert der Pflege machen den Beruf unattraktiv. Der Zeitdruck in der Pflege ist enorm, viel Bürokratie ist zu bewältigen. Schließlich sind Pflege-Ausbildungen eine Sackgasse, es gibt wenig Durchlässigkeit zwischen den Pflegeberufen.
Für Banken ist Geld da. „Pflege ist in der Gesellschaft wenig wert“, stellte Diakon Günther Wesely, der Leiter der Personalentwicklung im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen, fest. Vielsagend sei, dass Straftäter eine Wiedergutmachungs-Auflage erhalten können, in gemeinnützigen Einrichtungen, etwa in einem Altenheim, zu arbeiten. „Warum nicht in einer Bank?“, fragte Wesely. Die Banken mussten an diesem Abend mehrmals für Vergleiche herhalten. So meinte auch Univ.Prof. Sedmak, der als Philosoph und Theologe am Podium war, dass zur Bankenrettung Geld da war. Zur Sicherung einer selbstverständlichen menschenwürdigen Pflege muss um Geld gebangt werden. Wesely unterstrich dies und merkte an, junge Menschen kritisieren, dass es zur Finanzierung sozialer Leistungen an Geld mangle. Unter den derzeitigen Bedingungen seien „junge Menschen, die in Pflegeberufe gehen, Helden“!
Wohin nach dem Krankenhaus? Die Diakonie, die Volkshilfe und die gespag beschäftigen derzeit deutlich mehr als 7000 Menschen in der stationären bzw. mobilen Pflege. Nur ganz wenige Stellen sind unbesetzt. Mag. Karl Lehner, Mitglied des Vorstandes der gespag, sprach ein weiteres Thema an. Für Spitäler ist es oft schwierig, Menschen in die Pflege zu entlassen, wenn diese nicht nach Hause können. Es fehlen verfügbare Pflegeplätze. Auf internen Abteilungen sei dieses Nicht-Wissen: „Wohin?“, ein wiederkehrendes Problem. Es fehle Geld, zusätzliches Pflegepersonal einzustellen, sagt Mag. Waltraud Schwarz, die den Bereich Pflege und Betreuung der Volkshilfe Oberösterreich (vorwiegend mobile Pflege) leitet. Auch sei es ein Problem, dass in der Behindertenhilfe deutlich weniger als im Krankenhaus zu verdienen ist, sagt Wesely.