Ausgabe: 40/2011, Leitartikel, Fellinger, Wünsche, Kirchenwünsche, Apostelgeschichte, Konfliktsituation, Kirche
05.10.2011
- Matthäus Fellinger
Wünsche sind so. Sie bewegen sich oft in Regionen, die schwer erreichbar scheinen. Es ist wie auf dem Berg. Da oben müsste es schön sein. Aber der Weg dorthin. Zu mühsam, zu weit. Auch Kirchenwünsche sind so. Sie bewegen sich in Gipfelregionen. Es wäre toll, wenn Kirchen voll mit Menschen wären, jeden Alters, und überall wären Seelsorger da, frisch und originell. Aber: Dann findet man die konkrete Pfarre vor. Und es sind wieder ein paar weniger geworden. Oder: Es wäre schön, wenn, wie es in der Apostelgeschichte heißt, alle eines Sinnes wären, geschwisterlich leben und teilen was sie haben. Und dann findet sich eine Pfarre in einer Konfliktsituation, fast ausweglos. Da könnte man Wünsche vergessen, weil man sie nicht für verwirklichbar hält – oder man setzt einen nächsten Schritt. Der nächste Schritt – das ist immer der einzig mögliche. Steine, Hindernisse, sie lassen sich nicht überspringen – nur bewältigen. Gehen lässt sich nur ein vorhandener Weg – oder man baut ihn, und auch das ist mühsam. Es gibt eine Art Kirchenaustritt, die nur an das Ideal der Kirche glaubt – und die konkrete, oft müde, konfliktbeladene Kirche nicht gelten lässt. Da wäre Kirche nicht wirklich – nur Traum, der beim Aufwachen verblasst.