17 Tage lang hat Pfarrer Rainer Maria Schießler beim Münchner Oktoberfest Masskrüge gestemmt und Hendln serviert. Das macht er seit 2006 jedes Jahr während seines Urlaubs. Das verdiente Geld spendet er für einen guten Zweck. Es hatte sich in den vergangenen sechs Jahren schon herumgesprochen, dass im „Schottenhamel“-Zelt auf dem Münchner Oktoberfest (heuer vom 18. 9. bis 4. 10.) ein Pfarrer als Wiesnbedienung arbeitet – ausgestattet mit einem Rosenkranz im Geldbeutel und zwei Klammern am Revers, auf denen steht „christlicher Bierexpress“ und „Geistlicher Rat“. „Viele Gäste, vor allem aber Kolleginnen und Kollegen haben jede Gelegenheit genützt, um mir Fragen zu stellen und mit mir zu reden. Und die erzählen wirklich alles. Es ist wie Beichten, nur ohne Lossprechung, weil das auf der Wiesn natürlich nicht der Ort dafür ist“, erzählt Rainer Maria Schießler, Pfarrer von St. Maximilian und Heilig Geist in München. Für ihn geht es darum, dass „die Kirche sich in die Welt hineinbegibt und nicht darauf wartet, bis die Welt auf sie zugeht“, sagt der 51-Jährige, der während seines Theologiestudiums ein Jahr in Salzburg verbracht hat.
Für einen guten Zweck. Um 12 bis 14 Masskrüge auf einmal zu stemmen, braucht man schon Kraft. An der fehlt es dem Münchner nicht. „Ich laufe jede Woche 40 Kilometer auf dem Laufband, mache Krafttraining und ich habe viele Jahre aktiv Eishockey gespielt. Mental ist es oft anstrengender als körperlich.“ Um all den Stress und den Kommerz auf der Wiesn auszuhalten, braucht Pfarrer Schießler aber „ein übergeordnetes Ziel“. „Alles, was ich hier verdient habe, kommt einem Projekt von Lotti Latrous in der Elfenbeinküste zugute. Sie hat in einem Slum von Abidjan ein Zentrum der Hoffnung aufgebaut. Es geht hier um Aidsprävention. Nächstes Jahr werde ich das erste Mal dorthin fliegen und ich hoffe, dass ich in Afrika nicht hängen bleib’.“