Ich bedauere zutiefst, dass es in der Pfarre Kopfing weiter zu großen Spannungen gekommen ist, die in den letzten Tagen eskalierten. Unmittelbarer Anlass war die Tatsache, dass ich nach reiflicher Überlegung die Amtszeit von Pfarradministrator Andreas Skoblicki erneut verlängert habe. Diesen Schritt setzte ich, weil meine ursprüngliche Ankündigung, mit einem neuen Pfarrseelsorger wieder Ruhe und Gemeinschaftssinn in Kopfing einkehren zu lassen, nicht erfüllt wurde. Damit in Zusammenhang steht auch, dass der ursprünglich vorgesehene Priester seine Zusage, in Kopfing als Pfarrer versöhnend zu wirken, zurückgenommen hat.
Guten Willen stärken. Ich sehe aber auch auf beiden Seiten den Willen, einen guten Weg zueinander zu finden. Dieser gute Weg würde durch eine neuerliche Personalmaßnahme allein nicht zu erreichen sein. Als Bischof will ich zusammen mit meinen Gremien beraten und nach Wegen suchen, wie wir das Gemeinsame stärken können, um Versöhnung und Frieden in der Pfarre Kopfing zu fördern.
Auf der Basis der Heiligen Schrift. Die grundsätzliche Richtung der Seelsorge in unseren Pfarren ist zuerst auf der Basis der Heiligen Schrift gegeben. Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns dann richtungweisende Impulse gegeben, wie wir das Wort Gottes heute verkündigen können und wie es unter heutigen Voraussetzungen gelebt werden kann, damit das „Volk Gottes“ ein sichtbares Zeichen des Heilshandelns Gottes darstellt. Dieser Weg des Konzils gilt für alle Pfarren. Es gehört zum Seelsorgeauftrag an die Leitenden der Pfarren, den Konzilsweg weiter zu gehen und keine Engführungen zuzulassen. Eine einladende Kirche, die nach dem Vorbild Jesu den Menschen dient, ist unser aller Ziel.
Verbindliche Leitlinien. Der Mangel an kirchlichen und geistlichen Berufen, vor allem an Priestern, verlangt von uns ein Nachdenken, wie wir Seelsorge in Zukunft gestalten können. Für die Diözese Linz haben wir uns schon 2001 nach intensiven Gesprächen in den Dekanaten und in den diözesanen Gremien auf „Pastorale Leitlinien“ verbindlich festgelegt. Dabei kommt einem guten Miteinander von Klerus und Laien eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Das zu erreichen ist auch für Kopfing das Ziel. Es geht um eine breite Zuwendung zu allen Menschen, die nach Gott suchen. In besonderer Weise sind uns jene ein Anliegen, die in irgendeiner Not sind.
Keine Machtfrage. Es soll uns – im konkreten Fall – nicht um Macht gehen oder um die bloße Frage, ob sich eine Seite durchsetzt. Es geht vielmehr darum, ob es uns gelingt, ein neues Miteinander zu finden, um so glaubwürdig Kirche zu leben. Als Getaufte können wir nicht in Zwist und Streit verharren, wir wollen vielmehr alles tun, um die Einheit zu leben. Alles andere wäre Gegenzeugnis vor der Welt und ein Widerspruch in sich.
Begleitung für Kopfing. Die Diözese wird nach Kräften mithelfen, für die bestehende Konfliktsituation eine möglichst gute Lösung zu finden. Eine von allen Seiten akzeptierte Begleitung der Pfarre von außen könnte ein hilfreicher Schritt sein. Ich bitte alle Gläubigen, dieses Bemühen um Versöhnung im Gebet zu begleiten, dass in diese so lebendige Pfarre wieder Friede einkehrt: Es geht um Einheit untereinander, Einheit mit dem Bischof und auch mit dem Pfarrer. Der Pfarradministrator hat mir versichert, dass er in der kommenden Zeit erneut auf alle Menschen guten Willens zugehen möchte. Möge bei den Gläubigen in Kopfing die Einsicht und die Bereitschaft wachsen, auch das Gute im Anderen wahrzunehmen, einander in Geduld zu ertragen und durch Schritte der Versöhnung sowie der gegenseitigen Wertschätzung ein echtes Zeugnis der christlichen Berufung zu geben.
Dr. Ludwig Schwarz, Bischof von Linz