Selbst Begegnungen mit Angehörigen der jeweils anderen Religion zu schaffen, persönlich, aber auch in Gemeinden und Pfarren – ist der beste Weg, ein gutes Miteinander zwischen Christen und Muslimen zu ermöglichen.
Der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver war sich mit dem islamischen Religionspädagogen Moussa Al-Hassan Diaw beim äußerst gut besuchten „Dialog Stift Schlägl“ am 27. September ganz einig. „Am Christentum irritiert mich nichts“, meinte Al-Hassan Diaw, „es irritieren mich nur einzelne Christen“, wenn sie etwa mit fundamentalistischen Positionen gegen den Islam auftreten. Beeindruckt zeigte er sich von der feierlichen gemeinsamen Vesper, die vor dem Gespräch in der Stiftskirche Schlägl gefeiert wurde. Palaver hob anerkennend die hohe Wertschätzung der Barmherzigkeit und der Vergebung im Islam hervor. 113 der 114 Suren des Koran beginnen mit der doppelten Betonung der Barmherzigkeit: „Im Namen Gottes des allbarmherzigen Erbarmers“. Deshalb bedauert der Theologe, dass dem Kreuzestod Christi im Islam keine Bedeutung zukommt. Al-Hassan Diaw zeichnete ein sehr differenziertes Bild des Islam – mit unterschiedlichen Richtungen. Wie die Bibel der Christen sei auch der Koran ein „geschaffenes“ Buch, das der Interpretation bedarf, um ihm gerecht zu werden. Er wies auch Vorstellungen zurück, wonach in islamischen Ländern Christen generell unterdrückt würden. Das sei keineswegs der Fall, wo es trotzdem geschieht, sei das keineswegs im Sinne des Islam. Gegen Gewalt und Missbrauch der Religionen müssten die moderaten Kräfte zusammenstehen, war man sich einig.
Derselbe Gott. Dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben, blieb im Dialoggespräch unbestritten. Palaver zitierte Papst Johannes Paul II., der bereits 1985 betonte: „Euer und unser Gott ist ein und derselbe. Wir sind Brüder und Schwestern im Glauben Abrahams.“ Ein Jahr später lud er zum gemeinsamen Friedensgebet nach Assisi. Ein Schritt, den Palaver für „prophetisch“ hält. Es ist eine Linie, die auch Papst Benedikt fortführt, wenn er eben erst beim Deutschlandbesuch vom „gemeinsamen Zeugnis“ von Christen und Muslimen sprach.