Es ist ein radikaler Eingriff. Seit Jahrtausenden werden Felder gepflügt, um sie für das kommende Jahr fruchtbar zu erhalten. Was oben war, wird nach unten gekehrt. Nur noch Spuren lassen sich ausmachen von dem, was den Sommer über gereift ist. Unsere Zeit ist eine wachstumsbesessene Zeit – als ob alles ewig nach oben wachsen müsste: die Wirtschaft, die persönlichen Erfolge, Gehälter, Betriebsgrößen, Zugriffszahlen. Die Kirchen wünschten es auch, doch dieses Wünschen hält mit der tatsächlichen Entwicklung nicht mit. Muss man darüber nur traurig sein? Würden die ausgezehrten, dürr gewordenen Halme auf den Feldern verbleiben, sie würden das Neue, das wachsen soll, ersticken. Ob es gelingt, die Samen auf guten Boden zu legen – darauf kommt es an. Nur das Saatgut. Das andere stirbt. Im Sich-zurück-Nehmen, im Frei-Machen für Kommendes, liegt Hoffnung. Die Kirchen Europas befinden sich in einer Art Herbst-Zustand. Das Beste gilt es hineinzupacken in das Saatgut. Und es gilt, den Platz nicht einfach besetzt zu halten. Wer sagt denn, dass das Beste schon hinter uns liegt? Wer nur bewahren oder nur sich selbst behaupten will, verkennt das Leben.